"Wumms! Die Sportshow" im NDR Achtung, jetzt wird Fußball lustig!

Ein paar laue Witze über den HSV, dazu Atze Schröder als Sidekick: "Wumms! - Die Sportshow" wollte in einer halben Stunde den Akteuren auf und neben dem Rasen den Ernst austreiben. Da hatten sich die Macher viel vorgenommen - leider zu viel.

"Wumms"-Moderator Micky Beisenherz: Intime Einblicke in die Bundesliga
NDR

"Wumms"-Moderator Micky Beisenherz: Intime Einblicke in die Bundesliga

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Sport und Satire, das ist eine schwierige Partnerschaft. Wer ein wenig den Fußball verfolgt, der weiß, dass es für die Beteiligten kaum eine ernstere Sache gibt und zudem die Realität schon genug Satire bietet: Steffen Simon als Pokalfinale-Kommentator, der HSV ohne Sieg weiter in der Bundesliga oder die Versuche von Matthias Sammer, herzlich zu lachen - was kann da noch überhöht oder mit neuen Pointen versehen werden?

Ist uns egal, dachte sich ein Haufen Autoren aus sämtlichen Comedy-Formaten des deutschen Fernsehens, schickte Micky Beisenherz ("heute-Show", "Dschungel-Camp") vor die Kamera und machte "Wumms - die Sportshow!" 30 Minuten am späten Sonntagabend für die Premiere auf NDR, das ist wie Elfmeterschießen: Jede Pointe, die nicht im Tor landet, kann das Aus für die Mannschaft bedeuten.

Offenbar flatterten den Machern gehörig die Nerven, zum Auftakt hatten sie jedenfalls kaum Zielwasser getrunken. Ein paar laue Witze und Einspieler über den HSV, die Bayern und Hoeneß, Jogi und seine Jungs, dann Oliver Kalkofe als Bayern-Assistenztrainer "Branko Zrzicz" - da holte man sich schnell einige Sätze von Steffen Simon vom Vorabend ins Gedächtnis zurück, um zumindest ein wenig zu schmunzeln.

Gelbe Karte schon nach zehn Minuten

Auch der Auftritt von Atze Schröder als Sidekick im Studiopublikum misslang, weil die einstudierten Dialoge nicht zündeten. Gelbe Karte und drohende Umschalt-Auswechslung schon nach zehn Minuten. Doch eine Sendung, die in der Stadt des HSV aufgezeichnet wird, die weiß, wie man sich über Wasser hält und in ein Spiel hineinkämpft.

Rolf "Ronni" Brenner hieß der erste Hoffnungsschimmer. Eine Art Dr. Udo Brömme unter den Sportreportern, der unbedingt seine Biografie "Auf dem Platz liegt der Ball" in der Doppelpass-Sendung von Sport1 präsentieren wollte. In die Sendung schaffte er es leider nicht, dafür gab es aber einige verdutzte Gesichter von Jörg Wontorra, Thomas Strunz oder Christoph Metzelder. Zum großen Coup fehlte ihm aber ein wenig die Chuzpe, die Brömme, den imaginären CDU-Politiker aus der Harald-Schmidt-Show, immer ausgezeichnet hatte.

Nun nahm die Sendung Fahrt auf. Klaus Kinskis Ausraster bei den "Fitzcarraldo"-Dreharbeiten als Hansi Flicks Ansprache an den Bauleiter des DFB-Quartiers in Brasilien zu verkaufen - herrlich. "Kenn ich nicht" passt auf "keine Ahnung", und aus dem Hintergrund müsste "irgendwer" schießen als Anspielung auf den Kader des Länderspiels gegen Polen vor ein paar Tagen - auch schön. Und in den Anspielungen auf die Arbeiter aus Katar blitzte die Bösartigkeit auf, die Beisenherz vorher angekündigt hatte.

Wenn Bierhoff brasilianische Mentalität erklärt

Aber Post vom DFB wird "Wumms!" kaum bekommen, auch wenn Oliver Bierhoff in seinen Einspielern ordentlich auf die Schippe genommen wurde und Beisenherz noch ein paar schöne Anmerkungen hinterherschickte. Wahrscheinlich hätten die Szenen aber auch größtenteils ohne weitere Kommentare gewirkt. Viele aktuelle und ehemalige Fußballer wirken halt gerade dann satirisch, wenn sie über besonders ernste Themen reden - wie Bierhoff, der den Unterschied zwischen der deutschen und brasilianischen Mentalität erklären wollte.

So ging die Sendung mit lauwarmen Späßen wie Freddy, dem Profi-Flitzer, und einem Jessica-Kastrop-an-den-Kopf-Schießen zu Ende. Jeder Schuss ein Treffer? Bestimmt nicht. HSV-Niveau? Ebenso wenig. Aber leider auch nicht gut genug, um dem Fußball und all seinen Akteuren auf und neben dem Platz den Ernst auszutreiben.



insgesamt 7 Beiträge
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hefe21 19.05.2014
1. Nachgetreten reloaded
Hab die Sendung leider übersehen. Aber die mediale Nachbetreuung erinnert an die Spielkritik, die einst der schönen Sendung "Nachgetreten" in der "Intellektuellenpresse", na ja es war der STERN, zuteil wurde. Dabei war damals die heutige halbe HEUTE-Show beim bissigen Fußballtalk vertreten. Der erstklassige humoristische Innenverteidiger Welke, Olaf Schubert, der Denker aus der Tiefe des Raumes und als Anchorman Ingolf Lück, der die schmierigen Wontis/Waldis nochmal herrlich übertroffen hat. Auf Youtube ist leider kaum was davon zu finden.
Andr.e 19.05.2014
2.
Zitat von sysopNDREin paar laue Witze über den HSV, dazu Atze Schröder als Sidekick: "Wumms! - Die Sportshow" wollte in einer halben Stunde den Akteuren auf und neben dem Rasen den Ernst austreiben. Da hatten sich die Macher viel vorgenommen - leider zu viel. http://www.spiegel.de/kultur/tv/wumms-die-sportshow-ndr-startet-comedy-ueber-bundesliga-a-969664.html
"Wumms?!" Oh mein Gott, welcher 5-jährige durfte denn hier konzipieren? Mir wird Himmel Angst beim Gedanken, dass die "Generation Doof" der 90iger das Ruder übernimmt. Mag zwar in den Ö/R noch alles etwas tröger sein, aber dieses sinnfreie Bedienen von Nicht-Bedürfnissen ist ja grauenvoll. Wo ist Hartmann?
günterjoachim 19.05.2014
3. Gibt schlimmeres!
Soo schlecht war "WUMMS" nicht, da gibt's deutlich schwächere Sendungen.
hei-nun 19.05.2014
4. niemand
... hat wohl niemand gesehen ! Vor solch eine Besprechung sollte SPON vorher auf die Sendung hinweisen !
oldlindi 19.05.2014
5. optional
Schön versucht, Arnd Zeiglers "wunderbare Welt des Fußballs" abzukupfern in ein ÖR-Witze-Fernsehballett zu zwängen und als "tolles neues Konzept" darzustellen. Leider mißlungen. Macht aber nüscht, zahlen die GEZ-Esel...
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