Promi-Ranking im ZDF Stimmenschummel bei "Deutschlands Beste!"

Ja, wer hat denn nun gewählt? Für die ZDF-Sendung "Deutschlands Beste!" wurden Rankings der wichtigsten Promis erstellt. Doch leider ist man bei den Listen mit verschiedenen Umfragen durcheinander geraten. Der Sender entschuldigt sich.
"Deutschlands Beste!": "Es ist Ihre Liste, um die Wahrheit zu sagen"

"Deutschlands Beste!": "Es ist Ihre Liste, um die Wahrheit zu sagen"

Foto: ZDF

Hamburg - Johannes B. Kerner kommt ins Studio, die Scheinwerfer strahlen bläuliches Licht, die Treppen zur Bühne leuchten weiß und orange, und im Hintergrund steht auf einem Bildschirm "Deutschlands Beste! Männer". Das ZDF präsentierte in der vergangenen Woche eine neue Show, in der einmal - der Name verrät es - die besten Männer des Landes und am Folgetag auch die besten Frauen gefunden werden sollten.

Kerner sagte zu Beginn der Männershow: "Was ist das für eine Liste, die wir da haben? (...) Es ist Ihre Liste, um die Wahrheit zu sagen, auf Basis einer repräsentativen Umfrage von Forsa und dann mit Online-Voting final und zu Ende geführt. Ihre Liste, es ist eigentlich ein perfektes Stimmungsbild."

Doch perfekt ist das Stimmungsbild nicht, und repräsentativ ist die Umfrage, auf der die gesamte Sendung fußt, auch nicht. Erste Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Ergebnisse, aus denen die Top 50 der deutschen Männer und die der deutschen Frauen hervorgingen, äußerten das NDR-Magazin "Zapp"  und Blogger Stefan Niggemeier   am Dienstag. Unklar ist, mit welchen Stimmen der Sender auf seine Ergebnisse kam.

Kerner selbst deutete die methodische Unsauberkeit der Erhebung zu Beginn der ersten Sendung bereits an: "eine repräsentative Forsa-Umfrage mit Online-Voting". Die Umfrage eines Forschungsinstituts mit denen einer zweiten Abstimmung vermischt?

Funke-Mediengruppe will rechtliche Schritte prüfen

Zapp und Niggemeier kritisierten indes, das ZDF habe lediglich die Stimmen der Forsa-Umfrage verwendet. Somit hätte der Sender die Zuschauer getäuscht, indem er sie im Vorfeld der Sendung zur Online-Abstimmung aufforderte, später aber nur die Stimmen der Forsa-Umfrage verwendete.

Doch die Anschuldigungen gehen noch weiter: Auch die "Hörzu" ist in dieses unklare Voting mit verstrickt. Im Mai forderte die Fernsehzeitschrift die Leser dazu auf, die besten Deutschen mitzuwählen und machte damit Werbung für die ZDF-Show. Die Initiative zu diesem Aufruf ging vom Mainzer Sender aus und wurde von der "Hörzu" umgesetzt. Doch die Ergebnisse aus der Umfrage wurden vom ZDF nicht berücksichtigt.

Die Funke-Mediengruppe, zu denen die Fernsehzeitschrift gehört, will prüfen, ob sie rechtliche Schritte gegen das ZDF einlegen kann. "Das 'Hörzu'-Team hat selbst erst aus den Medien erfahren, dass die Stimmen ihrer Leser nicht in das endgültige Voting eingeflossen sind. Dies hat das ZDF uns gegenüber mittlerweile auch bestätigt", heißt es in einer Mitteilung von Pressereferent Gunther Fessen. "Wir empfinden dieses Vorgehen als höchst befremdlich."

Das ZDF stellte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE klar, es habe drei Umfragen gegeben, um die Besten-Liste zu erstellen: eine repräsentative Forsa-Befragung, ein Online-Voting sowie einen "Hörzu"-Leseraufruf. Doch bei der Auswertung habe sich herausgestellt, dass das Online-Voting durch Fan-Gruppen stark beeinflusst worden war.

"Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Redaktion dazu entschieden, sich auf die repräsentative Forsa-Umfrage zu stützen. Wie sich bei einer internen Nachprüfung herausstellte, wurden dennoch Ergebnisse des Zuschauer-Votings mit den Ergebnissen der Forsa-Umfrage vermischt", heißt es in einer Mitteilung des Senders. Die Stimmen derjenigen, die sich an der "Hörzu"-Umfrage beteiligten, wurden demnach außen vor gelassen.

Das ZDF entschuldigte sich am späten Dienstagnachmittag für den Fehler. "Dieses Vorgehen war methodisch unsauber und somit falsch. Dafür entschuldige ich mich bei unseren Zuschauern, den Teilnehmern der Sendung und bei allen, die abgestimmt haben", ließ ZDF-Showchef Oliver Fuchs mitteilen. Künftig soll auf Internet-Votings verzichtet werden.

kha
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.