Manipulation bei Promi-Ranking ZDF-Fernsehrat fordert Experten in Umfrageshows

Der ZDF-Fernsehrat reagiert auf die Manipulationen in der TV-Show "Deutschlands Beste!". Der Vorsitzende Ruprecht Polenz (CDU) schlägt vor, in Zukunft Experten mitwirken zu lassen.

"Deutschlands Beste!": Glaubwürdigkeit des ZDF beschädigt
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"Deutschlands Beste!": Glaubwürdigkeit des ZDF beschädigt


Hamburg/Mainz - Das ZDF steht wegen der Manipulationen bei der Sendung "Deutschlands Beste!" noch immer scharf in der Kritik. Mitarbeiter hatten gezielt bestimmte Prominente für das Format aufgewertet, um sie ins Studio einzuladen. Eine erste Reaktion auf den Skandal kommt nun vom ZDF-Fernsehrat.

Der Vorsitzende des Gremiums, Ruprecht Polenz (CDU), hat vorgeschlagen, bei künftigen Umfrageshows Experten einzubeziehen. "Zu möglichen strukturellen Konsequenzen könnte gehören, dass bei jeder Sendung, in die Zuschauer per Umfrage repräsentativ einbezogen werden sollen, eine Stelle mitwirkt", teilte Polenz mit. Dies solle eine Stelle sein, die mit derartigen Befragungen Erfahrungen habe "wie zum Beispiel die ZDF-Medienforschung oder die Forschungsgruppe Wahlen". Dieses Umfrageinstitut betreut und berät Wahlsendungen bei dem Sender.

Das ZDF hatte "Deutschlands Beste!", ein Männer- und ein Frauenranking, am 2. und 3. Juli ausgestrahlt. Bei der Show sollten die angeblich nach Umfragen beliebtesten 50 Deutschen vorgestellt werden.

Am vergangenen Freitag musste der Sender gestehen, dass die Redaktion die Listen gezielt manipuliert hatte. Zuvor hatte das ZDF bereits eingeräumt, unsauber gearbeitet zu haben, dies jedoch auf eine Vermischung eines Online-Votings und der Forsa-Studie bezogen. ZDF-Chef Thomas Bellut bat Programmdirektor Himmler daraufhin, den Fall schnell aufzuklären.

Himmler hatte dazu gesagt: "Die Veränderungen am Ergebnis der Forsa-Umfragen sind ein grober Verstoß gegen die Programmrichtlinien des ZDF." In diesen heißt es unter anderem: "Die Berichterstattung muss von vorbehaltlosem Willen zur Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit bestimmt sein. Zweifel an der Zuverlässigkeit einer Nachricht sind zum Ausdruck zu bringen."

Polenz hatte zudem in einem Schreiben an die Mitglieder des Kontrollgremiums erklärt, der Vorfall habe die Glaubwürdigkeit des ZDF beschädigt. So etwas dürfe sich nicht wiederholen. Das ZDF prüft derzeit "arbeitsrechtliche Konsequenzen".

kha/dpa

insgesamt 34 Beiträge
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langenscheidt 16.07.2014
1. Umfragen sind Unfug
Wenn ein Medium eine Umfrage startet dann im eigenen Interesse. Es geht um Quoten für die folgende Berichterstattung. Dem Volk wird suggeriert, es hätte Entscheidungsvollmacht. Wers glaubt...
cassandros 16.07.2014
2. LAFER, LICHTER, BRECHREIZ. Und Bild und ohne Ton schmeckt's doppelt so gut
Zitat von sysopZDFDer ZDF-Fernsehrat reagiert auf die Manipulationen in der TV-Show "Deutschlands Beste!". Der Vorsitzende Ruprecht Polenz (CDU) schlägt vor, in Zukunft Experten mitwirken zu lassen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/zdf-fernsehrat-will-nach-manipulation-experten-in-umfrageshow-a-981300.html
Sehr geehrter Herr Fernsehzentralratsvorsitzender, völlig falscher Vorschlag! Als Zwangsgebührengenötigter schlage ich vor... nein, ich fordere ... in und für alle Zukunft auf diese unsäglichen "ranking shows" - Deutschlands beliebteste teflonbeschichtete Bratpfannen - Die 25 besten talentlosen Volksmusiknachwuchs-underperformer etc. per sofort gänzlich zu verzichten. Nämliches gilt für die gleichfalls unsäglichen tagtäglichen "Kochshows" - Suppensepp und seine sensationellen Selleriegerichte - Das Duell der Puddingpanscher etc. Für diese "Formate", wie man in Ihrem Jargon sagt, gibt es Er-Tee-Ell III, DoofMax und andere einschlägige Sendeanstalten. Langsam geht mir bei dem vollkommenen Verzicht auf jegliche minimale Qualität in ihrem Programm der Hut hoch, den ich gar nicht trage. Hochachtungsvoll, ein Radiohörer
dani7830 16.07.2014
3.
Die öffentlich rechtlichen Sender machen genau das gleiche was die Privatsender schon seit Jahren tun. Unterschied zu den Privatsendern ist das man die Öffentlich-Rechtlichen mit Beiträgen bezahlen muss.
hhismanic 16.07.2014
4. Manipulierter Abklatsch
Ein Beleg mehr für den Niedergang des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Die Fantasielosigkeit in den Redaktionen ist erschreckend und steht in einem eklatanten Missverhältnis zu den Millionenetats des zwangsgebührenfinanzierten Systems. Wenn dabei nicht mehr herauskommt als Dutzendware wie "Tatort" oder seichte "Fernsehfilme der Woche", stimmt etwas nicht. Jetzt auch noch die unsäglichen Ranking-Shows der Privaten mit einem manipulierten Abklatsch zu imitieren, ist kaum zu unterbieten.
antoniakonrad 16.07.2014
5. Online-Umfragen
Wenn ZDF-Umfragen "repräsentativ" (für wen oder was?) sein sollen, muss das ZDF zu allererst aufs Online-Voting verzichten
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