ZDF vs. ARD Kampfansage am Morgen

Es ist eine versteckte Kriegserklärung: Das ZDF will künftig vormittags eigene Nachrichten bringen, statt die Sendungen der ARD zu übernehmen. Beim Ersten wird die Entscheidung als Attacke verstanden - und als Profilierungsversuch des künftigen Intendanten Thomas Bellut.
Designierter ZDF-Intendant Bellut: Auf zum fröhlichen Quotenrennen

Designierter ZDF-Intendant Bellut: Auf zum fröhlichen Quotenrennen

Foto: Christian Charisius/ dpa

Es war nur eine läppische Notiz, die das ZDF heute Mittag versandte, die aber in der ARD für ziemlichen Aufruhr sorgt. Nach 30 Jahren kündigt das Zweite die vormittägliche Nachrichten-Kooperation mit seiner öffentlich-rechtlichen Schwester ARD. Dort hat man für diesen symbolischen Schritt nur eine Erklärung: Das ZDF sucht den Familienstreit.

Es ist eines der wenigen Sparmodelle im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die seit Jahrzehnten funktionieren: die gemeinsamen Nachrichten im Vormittagsprogramm von ARD und ZDF. Von Woche zu Woche wechseln sich die großen öffentlich-rechtlichen Programme damit ab. Inklusive der Nachrichten. Die ARD sendet dann vormittags "heute", wenn das ZDF dran ist. Umgekehrt übernimmt das ZDF in ARD-Wochen die "Tagesschau". Es ist vernünftig, kostensparend und praktisch, so zu verfahren. Und es ist ein Symbol dafür, dass ARD und ZDF Partner sind - und keine Gegner.

Doch das ZDF ist damit nicht mehr zufrieden. Man wolle künftig auch in Wochen, in denen die ARD das Vormittagsprogramm produziert, morgens um 9 und mittags um 12 Uhr nicht mehr die "Tagesschau" senden, sondern "heute". Um "schneller reagieren" zu können, wie ZDF-Chefredakteur Peter Frey sagt. Was das ZDF weniger offensiv kommuniziert: Die 12-Uhr-Nachrichten werden dafür gekürzt, die "heute"-Sendung um 10 Uhr (die auch bisher nur in der ARD lief) fällt ganz aus.

Dem Zuschauer könnte es beinahe egal sein. Es gibt Wichtigeres als die Nachrichten am Vormittag. Zumal Frey gleich beruhigend behauptet, "die zusätzlichen Sendungen ohne Mehrkosten" realisieren zu können.

Alles nur der Quote wegen?

Doch um die paar Sendungen geht es in Wahrheit gar nicht. Es geht um das Symbol der Zusammenarbeit, das hier geopfert wird. Jedenfalls sehen das die Verantwortlichen in der ARD so. Das ZDF vergifte mit voller Absicht das Klima zwischen den Häusern, heißt es bei ARD-Hierarchen. Und einige haben dahinter auch schon eine Strategie und vor allem einen Verantwortlichen ausgemacht: den bereits gewählten neuen ZDF-Intendanten Thomas Bellut, der sein Amt Mitte März 2012 antritt.

Der neue Mann, so argwöhnen die ARD-Leute, werde das ZDF endgültig auf Konfrontation mit der ARD bürsten. Die Zeiten der Harmonie, wie sie etwa der scheidende ZDF-Intendant Markus Schächter pflegte, seien dann endgültig vorbei. Bellut wolle mit dem ZDF das Erste überholen und es so unentbehrlich machen. Im Klartext: Auf zum fröhlichen Quotenrennen.

Beim ZDF gibt man sich verwundert und zahm. Es gehe bloß darum, auch vormittags die Redaktionen zu besetzen. Bisher sei das ZDF in den ARD-Wochen vormittags so gut wie blank gewesen. "Wir waren da bisher nicht live-fähig", sagt Frey. Es sei immer der "Alptraum eines jeden Chefredakteurs" möglich gewesen: "Es passiert was, und ich habe kein Team, um auf Sendung zu gehen." Die Kritik der ARD hält er für überzogen. Das ganze habe mit einer Kampfansage nichts zu tun. Das ZDF "befreie" sich bloß aus einer untragbaren Situation.

Bei der ARD kam das ganze anders an. Man habe an das ZDF appelliert, die Kooperationen beizubehalten, sagt die ARD-Vorsitzende Monika Piel. Dann nimmt sie den Fehdehandschuh auf und ätzt in Richtung ZDF: "Kürzungen in den Nachrichtenstrecken passen nicht in unsere Strategie." Für 2012 plane die ARD ganz im Gegenteil "eine weitere Stärkung ihrer Informations-Angebote."

ARD-Programmdirektor Volker Herres droht gleich damit, demnächst zurückzuschießen. Er umschreibt es nur höflicher: "Wie die ARD auf diese Kündigung durch das ZDF reagieren wird, werden wir auf der kommenden Intendanten-Sitzung, am 28./ 29. November 2011 in Bremen beraten."

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