Zum »Sportschau«-Abschied von Matthias Opdenhövel Chamäleon der Freundlichkeit

Eine persönliche Würdigung von Volker Weidermann
Er bereitete die Bühne für die wahren Helden auf dem Platz: Matthias Opdenhövel verlässt nach zehn Jahren die ARD-»Sportschau«. Warum das auch ein Ende für den diskreten Charme ist.
Moderator Opdenhövel: Einfach eine schöne Atmosphäre schaffen

Moderator Opdenhövel: Einfach eine schöne Atmosphäre schaffen

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Also bei gewissen Entscheidungen der öffentlich-rechtlichen Sender sollten die Gebührenzahlerinnen und -zahler schon mitsprechen dürfen, finde ich. Matthias Opdenhövel nicht mehr zu beschäftigen, ist ungefähr so, als würde man mir meinen Schreibtisch aus der Wohnung tragen. Oder die Bilder von der Wand nehmen. Der lächelnde Opdi gehört einfach dazu, egal, was er so redet. Er lächelt, erteilt Schweinsteiger das Wort, nimmt es ihm freundlich wieder weg. Will nicht viel wissen. Will einfach eine schöne Atmosphäre schaffen. Und dann beginnt das Spiel.

Matthias Opdenhövel, der im Juli nach zehn Jahren die Moderation der »Sportschau« abgeben soll, ist weich, biegsam und stört nicht. Manche sagen, er sei auch während seiner Dienstzeit meist beinahe unsichtbar gewesen. Ein Chamäleon der Freundlichkeit. Aber das ist auch eine Kunst. Die Bühne bereiten für die wahren Helden auf dem Platz. Was ich sagen will: Ich bin nicht damit einverstanden, dass Opdi die »Sportschau« nicht mehr moderiert.

Immer wieder er

Angeblich soll er ja noch ein zweites Leben haben, bei Sendungen wie »The Masked Singer«. Klingt wie die ideale Show für ihn. Ich muss gestehen, ich kenne das Format überhaupt nicht. Ist da vielleicht auch der Moderator zur Unkenntlichkeit maskiert? Kündigt man da eventuell unter einem Tarnmützchen die Künstlerinnen und Künstler an? So wäre es auf jeden Fall der ideale Opdi-Job: The Masked Moderator. Lasst die Leute raten, welcher Moderator sich unter der Maske verbirgt. Und sie werden mit unvermindert freudiger Überraschung jede Woche feststellen, so wie ich: Es ist er. Immer wieder er.

Einen seiner größten Sportschau-Auftritte hatte Opdi tatsächlich auch als Unsichtbarer: Vor gut einem Jahr verriet er den Ausgang des Spitzenspiels zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München aus dem Off. Im Bild lief schon die Werbung, doch sein Mikro war noch offen, als er sagte: »Für den Bau der Sendung war dieser Sieg jetzt nicht schlecht.« Aufruhr im Internet war die Folge, »Wochenende verdorben« war noch einer der freundlichsten Kommentare, die ARD entschuldigte sich. 

Und einmal war er in der Shanty-Show »Inas Nacht« zu Gast. Freundlich, angenehm, unauffällig wie eh und je. Einmal kurz blendete die Regie auf das Bänkchen, wo traditionell immer die Angehörigen der Gäste sitzen. Auch das weiß ich nicht sicher, aber es könnte sein, dass dort seine Frau saß. Sie wirkte auf jeden Fall so, als würde sie ihn nach seinem Auftritt unter den Arm klemmen, um ihn zu Hause wieder abzustellen. Und er machte den Eindruck, dass er sich darauf freut.

Esther Sedlaczek, die Opdenhövel nachfolgt, ist natürlich auch toll. Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow verkürzte die Personalie recht tumb auf das Offensichtlichste: Für ihn bedeute sie, dass die »Sportschau« »weiblicher« wird. Tatsächlich konnte man Sedlaczek in den letzten Jahren beim Privatsender Sky dabei zusehen, wie sie immer selbstbewusster wurde, immer kompetenter, sichtbarer. In Interviews schärfer und schneller nachfragte, Expertenrunden souverän und entschlossen moderierte. Immer journalistischer, präsenter, auffälliger.

Matthias Opdenhövel arbeitete derweil weiter routiniert an seiner bequemen Unauffälligkeit. Und trotzdem: Ich dachte, er sei ein unverrückbares Möbel. Einmal aufgestellt, um für immer zu bleiben. Ich hatte mich getäuscht.

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