Sibylle Berg

Überwachung Willkommen in der Ohnmacht

Sibylle Berg
Eine Kolumne von Sibylle Berg
Kürzlich schaffte es die Software Pegasus in die Nachrichten – sie steht für eine Art der Überwachung, gegen die der einzelne Mensch nicht ankommt. Aber was tun?
»Bitte nicht stören«-Schild: Es gibt außer der totalen Verweigerung nicht viel, was der Einzelne tun kann

»Bitte nicht stören«-Schild: Es gibt außer der totalen Verweigerung nicht viel, was der Einzelne tun kann

Foto: Viorika / Getty Images

Noch nie haben Menschen so eine Flut von Informationen zur Verfügung gehabt. Sie können alles wissen, die Menschen, es im Netz finden, in Zeitungen, Blogs. Sie können sich aufregen und posten, und es dann wieder vergessen. Denn die Schlagzahl der Maßnahmen, die sich gegen die Freiheit des Einzelnen richten, erfolgt im Wochentakt: Willkommen in der Ohnmacht.

Die Software Pegasus der NSO ist lange bekannt. Nun ging es detailliert in verständlicher Sprache durch die Massenmedien. Hallo, guten Morgen, ihr werdet überwacht, eure Gespräche, euer Geschlechtsverkehr, alles kann mitgeschnitten werden, falls ihr uns interessant erscheint.

Dass die Firma NSO Überwachungssoftware an Diktaturen und als demokratisch bezeichnete Regierungen verkauft, ist nicht neu .

Interessant ist eher, dass es für einen kurzen Moment Thema in den nicht-nerdspezifischen Medien  war, die ihre Berichterstattung mit einer ohnmächtigen Aussage beendeten: Was kann man machen, falls das Gerät infiziert wurde, bzw. wie kann man es herausfinden. Die Antworten sind: Nichts, außer in der Nähe des Geräts nichts sagen und es nicht benutzen. Und nein, ohne technische Verrenkungen kann man nicht erkennen, ob das Gerät infiziert ist.

Und weiter mit den Tagesthemen. Die Bürgerinnen haben entweder nichts zu verbergen, retten sich in die Idee der eigenen Irrelevanz oder vergraben ihre Endgeräte am Fluss. Hilft aber auch nichts, denn da sind die Kameras .

Was tun gegen die dystopische Vision? Gerade wird die Idee eines digitalen Identitätsnachweises vorangetrieben. Und in Deutschland wird ernsthaft diskutiert, ob ArbeitgeberInnen den Impfstatus ihrer Angestellten abfragen dürfen. Was für eine beklemmende Dystopie einer perfekt gläsernen, sich selbst regulierenden Bevölkerung.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Erstaunlich ist es nicht, dass sich in der Zeit der immer geringer werdenden Aufmerksamkeitsspanne kein Staat an die allgemeine Menschenrechtserklärung  erinnern kann: besonders Artikel 11 und 12. Der Einfachheit halber hier nur einer:

Artikel 12 – Freiheitssphäre des Einzelnen: Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.

Es scheint mir gerade so, als sollten die Massen, die Nicht-Ins All-Fliegenden, überwacht, kontrolliert, ruhig gestellt werden, damit sie nicht zu viel randalieren, wenn die Erde immer unbewohnbarer wird. Ein überfluteter oder brennender Planet, auf dem wenige Menschen von Inseln oder fremden Planeten zum Festland winken. In dem die Rendite top ist, die Finanzproduktpalette großartig.

Es gibt außer der totalen Verweigerung nicht viel, was der Einzelne tun kann. Aber was verweigern? Und wen würde das interessieren? So hilft es nur, zu schreien: Lasst uns endlich in Ruhe, lasst uns einfach in Ruhe.

So, das hat gut getan.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.