Zerstörte Kulturgüter in der Ukraine »Die Besatzer haben Kultur und Menschlichkeit als Feinde identifiziert«

Hunderte Kulturgüter sind während des Kriegs in der Ukraine bereits beschädigt oder zerstört worden. Zuletzt etwa ein Kulturzentrum im Osten des Landes. Bilder der Zerstörung.
Menschen tragen die Statue des ukrainischen Dichters Gregorius Skoworoda nach einem Angriff auf das nach ihm benannte Museum

Menschen tragen die Statue des ukrainischen Dichters Gregorius Skoworoda nach einem Angriff auf das nach ihm benannte Museum

Foto: Ricardo Moraes / REUTERS

Dass der Krieg in der Ukraine auch ein Krieg gegen die ukrainische Kultur  sei, darauf wies Wolodymyr Selenskyj erst am Wochenende hin: »Die Besatzer haben Kultur, Bildung und Menschlichkeit als ihre Feinde identifiziert«, sagte der ukrainische Präsident, nachdem ein Kulturzentrum im Osten des Landes beschossen worden war und es mehrere Verletzte gegeben hatte, darunter ein Kind.

Das ukrainische Ministerium für Kultur und Informationspolitik sammelt die Schäden an Kulturgütern auf einer Webseite , auf der momentan 359 teils unüberprüfte Einträge gelistet sind. Im Zeitraum vom 24. Februar, dem Beginn des Krieges, bis zum 16. Mai 2022 hat die UNESCO 133 Orte registriert, die beschädigt wurden: »57 religiöse Stätten, 12 Museen, 26 historische Gebäude, 16 Gebäude für kulturelle Aktivitäten, 15 Denkmäler und 7 Bibliotheken«, hieß es auf der Webseite der Organisation der Vereinten Nationen. 

Fotostrecke

Zerstörte Kulturgüter in der Ukraine

Foto: John Moore / Getty Images

Auch Bundesratspräsident und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach das Thema kürzlich an. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die russische Militärmaschinerie nicht nur die Menschen, sondern auch die Erinnerung und Kultur zerstöre, sagte er zum Auftakt des Internationalen Museumstags am Sonntag.

Der Geschäftsführer von Icom Deutschland, dem deutschen Nationalkomitee des Internationalen Museumsrats, Klaus Staubermann, äußerte vor dem Hintergrund seine Sorge über die zunehmend gezielte Zerstörung von Kulturdenkmälern: Im Osten der Ukraine seien willentlich schon mehrere tausend Objekte zerstört worden. »Da geht es um gezielten Identitätsverlust«, sagte er, »zum Beispiel bei der Zerstörung von Kirchtürmen.«

Neben Kirchtürmen, Kulturpalästen, Kunstschulen, Bibliotheken und Denkmälern sind Museen betroffen wie jenes unweit von Charkiw, das dem ukrainischen Dichter Gregorius Skoworoda gewidmet ist und Anfang Mai beschossen wurde. Oder Theater wie das in Mariupol, das angegriffen wurde. Der Stadtrat ging von 300 Toten aus. 

skr/AFP/dpa