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Unbehagen am geschenkten Gaul

aus DER SPIEGEL 14/1981

Das Monstrum, sechseinhalb Meter hoch, steht auf Eichenholzbeinen, der Rumpf ist mit Kupfer verkleidet und der Schweif ein Drahtbesen. Leinen zwischen Kopf und Schwanz zeigen an, daß sich das Tier nur selber lenkt, aber bis zu zwölf Mann können ihm hinten reinkriechen. Vor der Darmstädter Kunsthalle weist dieses »Trojanische Pferd«, ein Monumentalwerk des Bildhauers Jürgen Goertz, auf eine Goertz-Ausstellung im Hausinneren hin -- und zugleich ironisch auf den Umstand, daß Kunst häufig als Danaergeschenk empfunden wird: Goertz, dessen Spezialität ein makabrer Hyperrealismus in farbigem Kunststoff ist, hatte seine Persiflage auf ein Reiterdenkmal als Wettbewerbsbeitrag für den Karlsruher Theaterneubau entworfen. Durch die Jury bekam er den Auftrag nicht, wohl aber nachträglich von der Karlsruher Kunsthalle, die den Musengaul der Stadt für den Theatervorplatz schenken möchte. Mythologie-bewanderte Lokalpolitiker jedoch empfanden das Trojanische Pferd als allzu »problematische Sagengestalt« und bekamen »nachhaltige Bedenken«.

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