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HOMOSEXUELLE Unerhörte Minne

aus DER SPIEGEL 32/2000

Wie lustig sind Liedverse wie diese: »Jetzt tanzen alle Tunten, da qualmt der Stöckelschuh. Die Lesben, immer lässig, pfeifen cool den Takt dazu«? Überhaupt nicht ulkig finden der Badische Sängerbund und dessen Präsident Albrecht Münch, 70, derlei unerhörte Minne - und verweigern deshalb dem Freiburger Homo-Chor Die QueerFlöten die Aufnahme in den mit rund 251 000 Mitgliedern zweitgrößten Landesverband des Deutschen Sängerbunds. Zwar hat Münch noch nie ein Konzert eines schwulen oder lesbischen Chors gehört, glaubt aber entschieden zu wissen, dass sich das in seinem Verband auf keinen Fall gehört. Münch ficht einen einsamen Kampf: Als einziger Sänger-Regionalhäuptling Deutschlands will er auf gar keinen Fall homosexuelle Singgemeinschaften aufnehmen. Nach jahrelanger Diskussion geht der Streit am kommenden Freitag erstmals vor den Kadi. Neben den Freiburger QueerFlöten wollen vorm Landgericht Karlsruhe die einheimischen Schrillmänner und die Rosa Kehlchen aus Heidelberg ihre Aufnahme in den Verband erzwingen. »Jetzt soll endlich Schluss sein mit der Diskriminierung«, grollt QueerFlöte Sebastian Strohmayr, 22. Für den Vorsänger Münch ist das bunte Tunten-Treiben der Homo-Chöre »ethisch ein Störfaktor«. Schon 1997 klagte der oberste badische Sangesbruder: »In welchem Aufzug die auftreten, in welchen rhythmischen Bewegungen sie sich da oben bewegen ... Und das wollen wir hier nicht haben.«

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