Entscheidung der Unesco Teil des Limes und jüdisches Kulturgut in Deutschland als Welterbe ausgezeichnet

Deutschland erhält zwei neue Welterbestätten: Jüdisches Kulturgut in Mainz, Worms und Speyer sowie der Niedergermanische Limes als Teil der Grenze des antiken Römischen Reiches wurden von der Unesco ausgezeichnet.
Synagoge in Worms: Das jüdische Kulturgut in Worms, Mainz und Speyer ist als Welterbe anerkannt worden

Synagoge in Worms: Das jüdische Kulturgut in Worms, Mainz und Speyer ist als Welterbe anerkannt worden

Foto: Uwe Anspach / dpa

Zum ersten Mal hat die Unesco jüdisches Kulturgut in Deutschland ausgezeichnet: Die sogenannten Schum-Stätten Mainz, Worms und Speyer sind als eine Wiege des europäischen Judentums als Welterbe anerkannt worden. Auch der Niedergermanische Limes als Teil der Grenze des antiken Römischen Reiches wurde als neues Welterbe eingestuft. Das zuständige Komitee der Uno-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) traf die Entscheidungen am Dienstag auf seiner Sitzung im chinesischen Fuzhou.

Nach der Auszeichnung der Kurorte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen gemeinsam mit acht weiteren europäischen Bädern sowie der Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt kann sich Deutschland auf der laufenden Sitzung mit insgesamt vier neuen Welterbetiteln schmücken. Als Welterbe werden nur Kultur- und Naturstätten von »herausragendem universellen Wert« ausgezeichnet.

»Jerusalem am Rhein«

Die Schum-Stätten Mainz, Worms und Speyer in Rheinland-Pfalz sind Orte des jüdischen Mittelalters und werden auch »Jerusalem am Rhein« genannt. Schum ist eine Abkürzung aus den mittelalterlichen hebräischen Anfangsbuchstaben der Städte. In Mainz gehört der Alte Friedhof zum Erbe des jüdischen Volkes. Rund tausend Jahre nach den ersten Beisetzungen sind noch viele historische Grabsteine zu finden. Auch in Worms gibt es einen jüdischen Friedhof, zudem ein Viertel mit Synagoge, Ritualbad (Mikwe) und Museum. Speyer hatte ein ähnlich reiches jüdisches Gemeindeleben.

Archäologischer Park in Xanten: Die militärischen Elemente der einstigen römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana – heute Xanten – sind Teil der jetzt erfolgreichen Bewerbung um Aufnahme des Niedergermanischen Limes in das Unesco-Weltkulturerbe.

Archäologischer Park in Xanten: Die militärischen Elemente der einstigen römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana – heute Xanten – sind Teil der jetzt erfolgreichen Bewerbung um Aufnahme des Niedergermanischen Limes in das Unesco-Weltkulturerbe.

Foto: Oliver Berg / dpa

Nachdem die Diskussion über den Donaulimes als Teil der Grenze des Römischen Reiches am Vortag aus Verfahrensgründen einer Arbeitsgruppe übertragen werden musste, lief die Auszeichnung des Niedergermanischen Limes hingegen reibungslos. Im Rahmen des seriellen Welterbes »Grenzen des Römischen Reiches« sind beide Abschnitte einzeln nominiert. Der rund 400 Kilometer lange Niedergermanische Limes mit seinen Kastellen und Legionslagern läuft entlang des Rheins. Man spricht dort auch vom »nassen Limes«.

Entscheidungen noch bis Samstag

Antragsteller sind die Anlieger: die Niederlande sowie Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Der Grenzabschnitt beginnt in Rheinbrohl in Rheinland-Pfalz und endet an der Nordsee in den Niederlanden. Die Grenzregion war ein Zentrum antiker Kultur und der Beginn der Städte im Rheinland. Zu den römischen Spuren gehören Militäranlagen, Heiligtümer, Statuen und Alltagsgegenstände.

Das Welterbekomitee tagt noch bis Samstag. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten. Wegen der Pandemie war die Tagung im vergangenen Jahr verschoben worden. Auf der Welterbeliste stehen mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht. Deutschland hat jetzt 50 Welterbestätten.

hpi/dpa
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