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KLEIDUNG Unisex auch untenrum

aus DER SPIEGEL 8/1997

Ein Tüftler aus Venezuela will eine der letzten gravierenden Benachteiligungen der Frau beseitigen. Omar Guevara entwickelte einen Urin-Trichter, der den Frauen endlich ermöglicht, es auf dem Abort den Männern stehend gleichzutun - damit sie sich keine Infektionen auf der Brille zuziehen. Das Produkt wird im Heimatland des Frauenbefreiers vorerst in 150 Apotheken verkauft. Seit jedoch die Benetton-Zeitschrift colors den Trichter abbildete, ist die internationale Nachfrage geweckt: Importeure aus sechs Ländern, darunter Italien und Frankreich, wollen sich die Rechte sichern. In Deutschland fällt derweil eine andere Bastion geschlechtstrennender Grundmuster: Die Berliner tageszeitung preist ganzseitig eine intime Erfindung für den in seinen Vorrechten so stark gebeutelten Mann: »HO 1« heißt die Revolution auf dem Schlüpfer-Sektor, eine Entwicklung des französischen Dessous-Fabrikanten Hom. Die Unterhose verfügt über einen horizontalen Direkteingriff, geschickte Nahtführung erweckt zugleich die Illusion größter Möglichkeiten. Weil auch die Designerin Vivienne Westwood neuerdings Männerunterhosen polstert, bleibt es nicht mehr allein den Frauen überlassen, ihre sexuellen Reize mogelnd zu betonen. Dem so erstarkten Mann fällt es womöglich leichter, zu einer neuen Nagellackserie der englischen Firma »Hard Candy« zu greifen. Die Kunden der Neunziger sollen mit Farbmischungen wie »Gigolo« (schwarz mit silbernen Sprenkeln) und »Superman« (nachtblau) gelockt werden. Heilige Unisex-Einfalt: funkelnde Männernägel, gepolsterter Eingriff, und auch am Urinal lockt von nun an das Weib.

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