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NEU IN DEUTSCHLAND Unser Mann in Havanna (England).

aus DER SPIEGEL 11/1960

Der dritte Mann des »Dritter Mann« -Teams Carol Reed/Graham Greene ist diesmal nicht Orson Welles, sondern Alec Guinness. Dementsprechend geht es in diesem Film nicht dämonisch, sondern vorwiegend satirisch zu: Ein dürftiger englischer Staubsauger-Verkäufer im Kuba der Vor-Castro-Zeit wird als V-Mann vom britischen Geheimdienst angeworben, flunkert seiner Londoner Dienststelle ein ganzes Netz von Unteragenten vor, kassiert dafür Erfolgshonorare sowie Spesen und versetzt das Spionage-Oberkommando in London obendrein in Aufregung, als er eine phantasievoll ausgeschmückte Staubsauger-Konstruktion als Zeichnung einer kubanischen Geheimwaffe abliefert. Leider begnügten sich die Produzenten nicht mit parodistischer Lustbarkeit, sondern flochten dem Greeneschen Hang fürs Hintersinnige zuliebe den Nachweis ein, daß aus solch leichtfertigen Spielen oft blutiger Ernst wird. Der (klimatisch gut angepaßte) Film schwankt daher zwischen zwei Tonarten, die nicht zusammenklingen. Eindrucksvoller als Alec Guinness in der Titelrolle: der schauspielernde Bühnenautor Noel Coward in der Rolle des düpierten Geheimdienst-Anwerbers. (Kingsmead Production.)

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