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BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLAND Urteil über Dicky

Lewis Chester, Godfrey Hadgson, Bruce Page: »Was ist das für ein Land«. Hoffmann und Campe; 736 Seiten; 28 Mark.
aus DER SPIEGEL 46/1969

Drei Reporter der Londoner »Sunday Times« haben 1968 den Präsidentschafts-Wahlkampf in Amerika beobachtet. Aus ihren Notizbüchern ist ein respektables Buch entstanden. Die Autoren urteilen nicht zimperlich: »Wir können uns allzu schonende Urteile über amerikanische Vorgänge genausowenig leisten wie über unsere eigenen.« Ihr Urteil über die beiden Hauptkonkurrenten hält sich daran.

Humphrey erscheint ihnen als ein Paradox: »Er war gleichzeitig der scharfsinnigste Narr und der unschuldigste politische Drahtzieher, den man sich denken kann. Lyndon Johnson hat ihn als einen Mann beschrieben, »der sich auf eine lange und zum Nachdenken anregende Rede dadurch vorbereitet, daß er tief einatmet«.«

Nixon wird bescheinigt, daß er zu Unrecht für durchtrieben gilt: Die Legende vom »tricky Dicky« charakterisiere weniger den Präsidenten als ihre Kolporteure, jene US-Journalisten vor allem, die aus der gleichen unsicheren Mittelschicht stammen wie er; sie besorgten die Mythenbildung vom »bösen Nixon«, um sich mit der glanzvollen Gesellschaft zu identifizieren, deren Verkörperung die Kennedys zu sein schienen.

Die Frage nach dem »neuen Nixon« beantwortet sich für die Autoren somit von selbst: »Es gibt gar keinen neuen. Das ist nur der alte, der etwas älter geworden ist.«

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