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STARS Verdüsterte Diva

aus DER SPIEGEL 45/2000

Die Filmgöttin war alt und krank, und sie verbarg ihren Verfall vor der Welt: Wenigstens der Mythos Marlene Dietrich (1901 bis 1992) sollte unvergänglich und strahlend bleiben. Wie einsam und deprimiert sich Deutschlands einziger Kino-Weltstar des 20. Jahrhunderts im Alter wirklich fühlte, zeigen einige neu entdeckte Karten und Briefe an ihre New Yorker Freundin Bianca Berger aus den Jahren 1976 bis 1980. Die Originale, die der Antiquar Knut Ahnert in Manhattan von jüdischen Emigranten aus Berlin erworben hatte, standen vergangenes Wochenende auf der ersten internationalen Berliner Antiquariatsmesse für 16 500 Mark zum Verkauf.

Im Dezember 1976 berichtet die Dietrich von ihrem Alterssitz Paris nach New York, dass ihr Mann Rudolf Sieber »gestorben ist und ich vollkommen kaputt bin ... Ich laufe immer noch herum ohne Ziel und ohne Mut ... Natürlich waren wir getrennt, aber nur geographisch, nie im Herzen. Also ich versuche, nicht dauernd zu weinen, und versuche meine Memoiren zu schreiben«. Obwohl sie dies ein Jahr später als »scheußlichste Arbeit meines Lebens« bezeichnet, sind die Memoiren doch ihre einzige Einnahmequelle. In Paris quälen den greisen Star besonders die Feiertage, »man ist noch alleiner als sonst«. Aus dem Haus geht sie sowieso kaum, und fremde Leute - schreibt die Dietrich im Mai 1980 - könne sie »nicht vertragen, weil die mich nur anstarren«.

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