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Film Vergebliche Reise

aus DER SPIEGEL 3/1972

Trafic (Frankreich, Farbe). Er ist wieder der alte: In seiner vorletzten, vierten Spielfilm-Groteske ("Playtime«, 1967) hatte der Komiker Jacques Tati sein Unbehagen an moderner Technologie mit zuviel Filmtechnik (Cinerama. Stereoton) und vor allem zu verbissen bekundet.

Sein fünfter Abendfüller gibt sich wieder fast so bescheiden die die erholsamen »Ferien des Herrn Hulot": In dem vornehmlich in Totalen und nahezu sprachlos gefilmten Auto-»Trafic« verläßt sich Tati ganz auf seine skurrile Beobachtungsgabe. der Versuchung zur kritischen Verkehrsanalyse ist er gottlob aus dem Weg gegangen.

Beobachtet wird wiederum Monsieur Hulot (Tati), diesmal Konstrukteur eines Camping-Kleinwagens mit eingebauten Frei- und Liegesitzen, ausschwenkbarer Dusche, Trockenrasierer-Hupe und einem rotglühenden Kühler-Grill, der zum Steak-Rösten dient. Um das Trickmodell der Öffentlichkeit vorzustellen, begibt sich Hulot mit einer amerikanischen PR-Helferin zum Amsterdamer Autosalon -- leider im Auto.

Ein Reifen platzt, das Benzin geht aus, Zöllner machen Ärger, der Abschleppdienst muß her, und die Reparatur dauert ewig, weil sich der Tankwart vorm Fernsehgerät bei der ersten Mondlandung vergnügt. Als Hulot endlich ankommt, wird die Messe gerade abgebaut.

Der Weg, zeigt Tati, ist heutzutage wichtiger als jedes noch so nahe Ziel. Er zeigt es in virtuos ausgetüftelten Szenen-Spots mit deftigen Massen-Karambolagen, mit knappen Zwischenschnitten auf popelnde Wagenlenker. anheimelnde Autofriedhöfe und spendable Benzinverkäufer. die ihre Kunden -- Werbung muß sein -- mit antiken Büsten beschenken.

Tati isoliert die Phänomene einer absurden Autofahrerwelt und übertreibt im Grunde nur eines: die Gelassenheit, mit der sein Hulot das tägliche Umwelt-Chaos erträgt. Und dadurch wird komisch, was wirklich nicht zum Lachen ist.

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