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KUNST Vergoldete Rückkehr ins Kanzleramt

aus DER SPIEGEL 4/2007

Der Künstler Jörg Immendorff, 61, hatte schon immer den Drang, ordentlich aufzufallen, im Leben und auf der Leinwand. Der inzwischen schwerkranke Maler aus Düsseldorf hat den Altkanzler Gerhard Schröder, 62, porträtiert, und man darf von einer eigenwilligen Verherrlichung sprechen. Das Brustbild selbst, bronze- bis goldfarben, ist in eine Rundform eingefügt, die an Tondo-Bilder der Renaissance oder gar an gemalte Darstellungen antiker Büsten erinnert; die Oberfläche wirkt wie marmoriert, geradezu antik. Der Krawatte tragende Kanzler blickt einem frontal entgegen wie eine Ikone. So viele kuriose Bezüge, die alle einem Zweck dienen: Schröder soll als Staatsmann von historischer, heilbringender Dimension begriffen werden. Der Bundesadler, etwas zerflossen unten links, und eine zerbrochene Figur als Sinnbild des Malers, unten rechts, kommen auch vor. Immendorff hat nie ein Hehl daraus gemacht, ein Fan Schröders zu sein. Dem ist der Verehrungsrealismus alles andere als peinlich, er will sogar, dass das Porträt für alle Ewigkeit im Kanzleramt hängt. Die »Bild«-Zeitung reagierte mit einer begeisterten Schlagzeile. Für ähnlich viel Aufsehen sorgte einst nur Helmut Schmidt, der sich 1986 vom umstrittenen DDR-Künstler Bernhard Heisig malen ließ. Noch mehr hervorstechen als Schröders Goldantlitz wird irgendwann das Bild von Angela Merkel - schon deshalb, weil sie die erste Frau im Ahnenkabinett der Bundeskanzler sein wird.

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