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Film Verlorenes Spiel

aus DER SPIEGEL 3/1972

Der Coup (Frankreich/Italien, Farbe). Der jüngste Kassen-Hit des Franzosen Henri Verneuil ("Der Clan der Sizilianer") ist so bunt und breit und anekdotisch, als wollte er mit dem letzten James-Bond-Thriller konkurrieren.

Hier wie dort im »Diamantenfieber« werden edle Steine stibitzt, versteckt und schließlich nutzlos vergeudet -- allerdings bevorzugt Verneuil Smaragde. Dort wie hier gilt die neue Krimi-Konvention, nach der Realitätsbezüge entbehrlich sind und Logik nur als Ausnahme gestattet ist -- allein auf die Gags kommt es an.

Möglich oder nicht: Der Preziosen-Safe wird von einem Computer geöffnet, den die Einbrecher statt des üblichen Schweißgeräts im Koffer haben. Das grelle Deckenlicht in der Liebestaube einer Busenschönen (Dyan Cannon) verlöscht aufs Händeklatschen, und Serienautos brausen treppab durch Fußgängertunnel, schlittern meterweit auf ausgelaufenem öl, kreiseln und voltigieren an Häuserwänden ohne ernstliche Panne. bis ein Wort-Gag die wildeste Film-Rallye seit »Bullitt« beendet: »Sie wußten wohl nicht, daß es hier eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt!«

So spricht der snobistische« obendrein korrupte Polizeikommissar Abel alias Omar Sharif -- er hätte die Beute gern für sich -- zum smarten Juwelenräuber Azad (Jean-Paul Belmondo), der jedoch lieber die Steine verliert und seinen Verfolger in einem Hühnerfutter-Silo ersticken läßt, als zu teilen: »In Wirklichkeit«, heißt es im Dialog, »ist es nicht wichtig, ob man das Spiel gewinnt oder verliert. Hauptsache ist, daß einem ein Coup gelingt.«

Dieser Kinogangster- Mentalität ist offenbar auch Regisseur Verneuil verfallen: Um den großen Kassen-Coup zu landen, hat er so viel blutige Pointen. etwa einen sinnlos mordenden Kommissar, mit dem aufwendigen Klamauk vermischt, daß von einem Fair play um die Publikums-Gunst nicht mehr die Rede sein kann.

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