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ÜBERSETZERSTREIT Vernünftig oder empörend?

aus DER SPIEGEL 4/2007

Was lange währt, wird noch lange nicht gut: In dem seit Jahren schwelenden Streit zwischen deutschen Verlagen und Übersetzern - angestoßen durch eine Reform des Urhebervertragsrechts der Justizministerin Hertha Däubler-Gmelin 2002 - geht es um eine generelle Besserstellung der selbständigen Übersetzer, die in einem labilen Markt am Ende der Honorarkette hocken. Deren Forderungen aber, so die Verlegerin Antje Kunstmann, machen bisherige Kalkulationen zu Makulatur: »Ein Autor wie Tim Parks zum Beispiel, der erst mit dem fünften Titel eine Auflage über 5000 erreicht, wäre nicht mehr zu finanzieren.« Parks gelangte mit »Stille« auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, ein Beispiel für die langfristige Investition literarischer Verlage in Nachwuchsautoren. Die Verleger haben sich bei ihrer Jahrestagung in München vergangene Woche zu einem Angebot durchgerungen, das sie »vernünftig, seriös und großzügig« nennen: Das »Münchner Modell« sieht unter anderem eine Gewinnbeteiligung ähnlich wie bei Autoren vor und entspricht damit der gesetzlichen Forderung nach »angemessener« Vergütung schöpferischer Leistung. Die Gegenseite, vertreten durch die Gewerkschaft Ver.di, weist die Vorschläge schon mal als »empörend ungenügend« zurück, so die Sprecherin Gerlinde Schermer-Rauwolf. 14 Honorarklagen einzelner Übersetzer sind bereits durch die erste Instanz gegangen - unterschiedlich beschieden, für beide Seiten wenig befriedigend und bereits alle in Revision. Die Rechtsunsicherheit hat Folgen; die Zahl der Belletristik-Übersetzungen ging seit 2003 um 45 Prozent zurück - für die Übersetzer in jedem Fall eine Verschlechterung.

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