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Film Verschwendetes Leben

aus DER SPIEGEL 3/1972

Der weite Ritt (USA, Farbe). Drei reiten zusammen: Harry, Arch und der verträumte Dan, der seine Freunde nach Kalifornien locken möchte -- zu »Gold, Orangen und Meer«.

Doch Dans Reise endet rasch: Im mexikanischen Nest Del Norte schießt ihn ein mächtiger Pferdehändler über den Haufen. Da reiten nur noch zwei zusammen.

Sie reiten gen Osten, weil Harry seine Farm und seine inzwischen treulose Frau wiedersehen möchte. Arch, ein ruheloser Präriestreicher, begleitet ihn, bleibt jedoch nicht lange. Allein bricht er noch einmal nach Kalifornien auf.

Dans unreflektierte Sehnsucht, Harrys Suche nach häuslicher Geborgenheit und Archs zielstrebige Unrast -- aus diesen für viele amerikanische Jugendliche charakteristischen Handlungsmotiven hat der Schauspieler Peter Fonda, weltberühmt als »Captain America« in »Easy Rider«. seinen Regie-Erstling komponiert.

Es ist ein geschickt inszenierter, scheinbar schlichter Western mit idyllischen Genre-Szenen, herzwärmender Menschlichkeit und intakten moralischen Imperativen: Als Arch (Warren Oates) in Schwierigkeiten ist -- der Pferdehändler in Del Norte will ihm alle Finger abhacken lassen -- galoppiert ihm Harry (Peter Fonda) unverzüglich zu Hilfe. Er fällt beim Showdown, und Arch überbringt Harrys Frau die Leiche.

Daß Fonda freilich nicht nur das klassische Western- Ideal konservieren wollte, darauf deuten resignierte Dialog-Formeln ("Wie wir leben, das ist Verschwendung") und manierierte Kamera-Operationen (Zeitlupe, Gegenlichtzauber. Farbverzerrungen) hin. Aber solche Zutaten ruinieren die Wirkung, die sie erzielen sollen: Sie machen etwa aus dem weiten Ritt über Land -- im alten Western Sinnbild für -- die gefahrvolle Überwindung einer langen Strecke -- eine nichtssagende Revue schöner Landschaftsbilder.

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