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FILM Vier Minuten Lena

aus DER SPIEGEL 16/2007

Weiter unten kann man im Filmgeschäft nicht anfangen als mit diesem Job: dem Reinigen abgespielter Kinostreifen. Später machte der Wiener Josef von Sternberg (1894 bis 1969) mit dem »Blauen Engel« Marlene Dietrich zum Star, er selbst wurde einer der bekanntesten Regisseure in Hollywood. Eher tragischen Ruhm erlangte jedoch Sternbergs letzter Stummfilm »The Case of Lena Smith«, der den Leidensweg eines Bauernmädchens in der Großstadt schildert. Gegen die neuen Tonfilme hatte das Melodram, 1928 gedreht, keine Chance und verschwand bald aus den Kinos - für immer. Das Werk galt als verschollen, weltweit existierte keine einzige Kopie mehr. »Lena Smith« wurde zum Synonym für Hollywoods schludrigen Umgang mit seinem Erbe. Doch 2003 entdeckte ein Professor aus Japan bei einem Altwarenhändler in der chinesischen Stadt Dalian eine Filmrolle: ein vier Minuten kurzes Fragment von »Lena Smith« mit Szenen vom (in den Paramount-Studios nachgebauten) Wiener Prater. Am Donnerstag dieser Woche wird dieses für Kinohistoriker und Sternberg-Fans einmalige Fundstück im Wiener Filmmuseum gezeigt. Sogar Sternbergs Tochter Cathy Dupont wird dort erwartet; die echte »Lena Smith« kann leider nicht kommen: Ihre Darstellerin Esther Ralston starb 1994.

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