Zur Ausgabe
Artikel 105 / 147
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

AUTOREN Vollständiger »Vulkan«

aus DER SPIEGEL 39/1999

Meist ekeln sich die Literatur-Fachleute, wenn ein Roman, nur weil er gerade als Vorlage für eine Verfilmung gedient hat, mit einem Klebe-Etikett »Das Buch zum Film«, neuer Aufmachung und Filmfotos in die Buchläden kommt. Im Fall von Klaus Manns Emigranten-Roman »Der Vulkan« (1939) ist es ein Segen: Zum Start des gleichnamigen Films, der am 21. Oktober in die Kinos kommen soll (Regie: Ottokar Runze), hat der Rowohlt-Verlag nicht einfach nur die Taschenbuchausgabe fortgedruckt (bisherige Auflage: mehr als 100 000 Exemplare). So erscheint jetzt jener Roman, der dem 1906 geborenen, 1949 freiwillig aus dem Leben geschiedenen ältesten Sohn Thomas Manns zu Recht als der gelungenste aus seiner Feder erschien, erstmals wieder in der Form, wie er während des Exils in Europa und den USA entstanden ist. Um nämlich Mitte der fünfziger Jahre überhaupt eine Ausgabe des bis dahin kaum bekannten Werks in Deutschland zu ermöglichen, hatte Erika Mann, des Autors Schwester, eine Reihe von Veränderungen und Streichungen vorgenommen. Zum Beispiel durfte einer aus der Runde der Emigranten kein Politkommissar mehr sein, und dessen Wunsch, der kommunistischen Partei anzugehören, wurde schlichtweg eliminiert - ebenso eine Passage, in der Spanienkämpfer gemeinsam die Internationale singen: Tribut an den Zeitgeist. Einem anderen vom damaligen Verlag - Fischer in Frankfurt - erwünschten Eingriff allerdings widersetzte sich die Schwester, die im Roman als Marion von Kammer auftritt (im Film dargestellt von Nina Hoss): Die Schilderung einer homosexuellen Affäre des »Vulkan«-Helden Martin Korella (gespielt von Christian Nickel) blieb unangetastet.

Zur Ausgabe
Artikel 105 / 147
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.