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KUNST Von klugen Kühen

aus DER SPIEGEL 49/2002

Der Mensch, er liebt das Tier und fühlt sich ihm doch so überlegen. Tiere zu zügeln und zu zähmen, das ist ein menschliches Urbedürfnis - aber die Zähmung der widerspenstigen Kreatur gelingt zuweilen nur scheinbar. Diese Auffassung jedenfalls spiegelt sich in den Gemälden des Schweizer Malers Rudolf Koller (1828 bis 1905), die ab Mitte Dezember im Zürcher Kunsthaus in der ersten großen Koller-Retrospektive seit den zwanziger Jahren zu sehen sind. Die Menschen auf Kollers Bildern wirken - auch wenn sie die Peitsche schwingen - oftmals matt und dumpf, die Tiere aber, sie strotzen vor Kraft, sprengen wie wild geworden die Serpentinen des Gotthards herunter, blicken keck und klug, ganz so, als seien sie über den menschlichen Zwang zur Zügelung eigener und fremder Begierden ein wenig belustigt. Das Porträt einer Kuh, die von ihrer Weide in den bäuerlichen Krautgarten ausgebüxt ist und sich dort mit großer Selbstverständlichkeit an den Kräutern delektiert, gehört zu den beliebtesten Tierbildern der Schweizer. Es scheint - das Milka-Vieh beweist's -, als gäbe es zur eigenwilligen Kuh einen alpenländischen Hang.

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