Zur Ausgabe
Artikel 89 / 151
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

FILM »Wahre Helden«

Der Düsseldorfer Drehbuchautor Georg Heinzen, 47, über seinen Film »Gran Paradiso« und liebenswerte Verlierer
aus DER SPIEGEL 45/2000

SPIEGEL: Herr Heinzen, diese Woche startet »Gran Paradiso«. Stimmt es, dass ein SPIEGEL-Artikel Sie 1993 auf die Idee zum Drehbuch brachte?

Heinzen: Ja. Darin ging es um ein eigenartiges soziales Projekt: Strafgefangene tragen und begleiten Behinderte durchs Gebirge. Den Artikel habe ich aber schnell weggelegt. Als Autor muss man sich selbst auf den Weg machen.

SPIEGEL: Was war spannend an dem Stoff?

Heinzen: Eigentlich gelten Knackis und Behinderte doch als Verlierer. Und in die Berge gehen normalerweise nur die Starken. Nun tun sich Schwache zusammen und werden plötzlich zu Gewinnern, »beautiful losers« sozusagen.

SPIEGEL: Fehlen im deutschen Kino die »schönen Verlierer«?

Heinzen: Auf jeden Fall. Immer haben wir Extreme - Sönke Wortmann und Wim Wenders, das Unernste und das Angestrengte. Im britischen Kino dagegen wird dem Turbokapitalismus oft Widerstand geboten. Da scheitern Leute zwar wirtschaftlich, aber in der Mitmenschlichkeit gewinnen sie. Das sind für mich die wahren Helden.

SPIEGEL: Bergfilm, das heißt für viele: Luis Trenker. Wie haben Sie Produzenten für Ihr Drehbuch begeistert?

Heinzen: Geldgeber zu finden war tatsächlich mühsam. Dabei erzähle ich gar kein Alpenkitschmärchen, sondern die Geschichte einer Reifeprüfung.

SPIEGEL: Aber ganz ohne Gipfel geht die Chose nicht.

Heinzen: Zugegeben, da bin ich vorbelastet. Mein erster Viertausender war der Gran Paradiso - und ich bin damals daran gescheitert. Durch das Schreiben habe ich die Tour nachgeholt.

Zur Ausgabe
Artikel 89 / 151
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.