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Zeichner Wahrheitssuche mit dem Skizzenblock

aus DER SPIEGEL 48/1996

Es begann mit den Konterfeis der Kiezgrößen in Hamburg. Linie um Linie wuchsen die Physiognomien auf Christine Böers Skizzenblock, ihre Stifte entdeckten brutale, aber auch überraschend weiche Züge bei den Angeklagten, und bald war die Zeichnerin eine Größe unter den deutschen Gerichtsreportern. Wo immer die Medien ausgeschlossen sind, sitzt sie in der ersten Reihe. Sie zeichnete Stammheimer Terroristen, Zuhälter, Dealer, die angeklagte DDR-Polit-Prominenz nach der Wende, und ihre Porträts sind so vielschichtig wie die Wahrheit in Indizienprozessen. »Wenn ich der Linie eines Gesichts nachgebe«, sagt sie, »lasse ich mich auf Menschen ein, liefere mich sogar ein bißchen aus.« Unter dem Titel »Prozesse« sind Christine Böers Arbeiten ab 2. Dezember im Landgericht Berlin, Littenstraße, zu sehen, weitere Ausstellungen sind in Potsdam, Kiel, Frankfurt und München geplant.

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