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Aufbruch in der Weimarer Republik Als Deutschland von der Zukunft träumte

Die Weimarer Republik wird oft als Vorspiel der NS-Diktatur wahrgenommen, als Inbegriff des Scheiterns. Doch das verkennt die komplexe Wirklichkeit der ersten deutschen Demokratie.
aus SPIEGEL Geschichte 5/2014
Foto: VERLAG DIRK NISHEN

Dieser Beitrag gehört zur Reihe SPIEGEL+-Bestseller. Er erschien zum ersten Mal in SPIEGEL Geschichte 5/2014.  

Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise 1932 hatte in Berlin jemand die Idee, ein Geschäft daraus zu machen. Eine besondere Stadtführung sollte den wenigen verbliebenen Touristen die "Weltstadt in der Krise" nahebringen: Man besuchte die Ämter, in denen die Erwerbslosen stempeln gingen, besichtigte Heime für Arbeitslose, leer stehende Neubauten und halb fertiggestellte Villen, streifte durch stillgelegte Betriebe und beguckte am Abend die Asyle für Obdachlose und die Versammlungen der Radikalen.

"Krise gefällig?" betitelte die B.Z. am Mittag mit unverhohlener Ironie ihre Meldung über die ungewöhnliche Touristentour am 7. Mai 1932.

Die Krise gilt gemeinhin als der Schlüsselbegriff für die Geschichte der gesamten Weimarer Republik. Auf den ersten Blick wirken die gut 14 Jahre zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Beginn der Hitler-Diktatur wie eine endlose Abfolge von Tiefpunkten, einer düsterer als der andere: Der Niederlage im Weltkrieg folgte eine Revolution, auf die kaum jemand so richtig stolz war; den jungen Staat bedrohten rechtsradikale Putschisten, politische Morde und eine nie dagewesene Hyperinflation. Die Regierungen wechselten ständig - die insgesamt 19 Kabinette der Weimarer Zeit hielten durchschnittlich gerade einmal 8 Monate durch. Die radikalen Parteien am rechten und linken Rand gewannen immer weiter an Zuwachs, die politische Mitte erodierte. Ab 1929 folgten: Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit - Hitler.

Die Weimarer Republik und ihre viel beschriebene Daueragonie sind so etwas wie das Schreckgespenst der deutschen Geschichte. Die erste Demokratie hierzulande gilt als Beispiel für einen frontal gegen die Wand gefahrenen Staat, eine Art "failed state". Bis heute gehört die Warnung vor "Weimarer Verhältnissen" zum Phrasenrepertoire des politischen Kommentars. Bei vielen Stichworten aus dieser Zeit zuckt man auch heute noch zusammen, so aktuell klingen sie: Wirtschaftsmisere, Inflation, Arbeitslosigkeit, Verschwinden der Mittelschicht - alles schon mal da gewesen, damals mit dem bekannten, furchtbaren Ausgang.

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