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Philosophie Weisheiten vom Taxifahrer

aus DER SPIEGEL 35/1996

Vielleicht sollten die ewig gehetzten New Yorker endlich einmal ihren Taxifahrern zuhören, anstatt sich über Staus zu ärgern oder gar Belanglosigkeiten ins Mobiltelefon zu quatschen. Denn die Männer hinterm Steuer sprechen vielleicht nicht immer das perfekteste Englisch, aber was sie zu sagen haben, ist mitunter Gebrauchsphilosophie. »Du mußt nicht hinter jemandem stehen, wenn es genug Platz zum Gehen gibt«, lautet einer der Sprüche oder: »Manche finden dich netter, wenn du versagst.« Oder: »Alle gehen unterschiedliche Wege, um dasselbe zu sehen.« Solche Weisheiten kosten nur 1,50 Dollar für die erste Meile und 25 Cents für jede weitere Fünftelmeile. Das sei viel billiger als eine Stunde beim Psychoanalytiker, sagt die New Yorkerin Risa Mickenberg, die nun ein Buch mit gesammelten Taxifahrer-Sinnsprüchen herausgegeben hat ("Taxi Driver Wisdom«; Chronicle Books, San Francisco; 180 Seiten; 14,95 Dollar). In dem nützlichen kleinen Band findet sich für jedes Problem die passende Weisheit. Zum Beispiel, wie man vor seinen Mitarbeitern das billige Flugticket für die Touristenklasse rechtfertigt: »In der ersten Klasse«, so heißt es dort, »bist du auch nicht sicherer.«

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