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CORNFELD Wichtiger Trick

aus DER SPIEGEL 29/1970

Als einen »James Bond des Investmentwesens« verhöhnten ihn die Banker der alten Schule. Und wer auf Nummer Sicher ging, mokierte sich auch gern über den »Billy Graham der Geldmacher«.

Immerhin: Eine Million Möchtegern-Millionäre, darunter Kongolesen, Eskimos und 300 000 deutsche Mittelständler, haben bei Cornfeld und der IOS ihre Groschen und ihren Glauben an »eine der mächtigsten und durchschlagendsten Ideen unserer Zeit« (IOS-Werbung) investiert. Inzwischen sind Glaube und Groschen dahin.

Vor der IOS-Pleite haben Peter Gehrig und Karl Günter Simon den Mann, »der das größte private Finanzimperium der Welt bauen wollte«, für den WDR porträtiert. Ihr Film (Untertitel »Idolfigur eines Volkskapitalismus?") wird am Sonntag (ARD, 19. Juli, 22.00 Uhr) ausgestrahlt.

42 Jahre alt ist er, 1,65 Meter groll und 500 Millionen schwer. Doch Gehrig und Simon zeigen: Geld allein macht nicht glücklich. Bernie« »schillernd, faszinierend in seiner Macht«, ist ein einsamer Mensch.

Sie haben seinen Chauffeur befragt, seinen Image-Berater, seine Sekretärin und seine 83jährige Mutter, sie wollten wissen, warum er wohl so traurige Augen hat. Denn schon um zwölf Uhr beim Levée ("Die Kurse aus New York kommen sowieso erst nach Mittag"), ist Bernies Blick umschattet.

Und auch am Geldverdienen kann der reich gewordene Sozialfürsorger aus Philadelphia, der mit zehn Cent Taschengeld in der Woche angefangen hat, keine rechte Freude mehr empfinden. »Seine Geschäftsgespräche«, so beobachteten die Interviewer, »sehen ein wenig nach müder Party aus.«

Und sie beobachteten weiter: Sein Dinner nimmt er regelmäßig um vier Uhr nachmittags bei Kerzenschein im Kreise seiner engsten Mitarbeiter in der Genfer Villa ein, die einst Napoleon seiner Josephine geschenkt hat. Denn Bernies Lebensstil ist napoleonisch: Er liebt Empiremöbel, schöne Frauen und illustre Namen.

Aber nicht nur bei IOS-Vorstandssitzungen, in Londoner Clubs und bei Pariser Modeschauen, im Jet und im Rolls-Royce waren die Fernsehleute dabei. An einem kalten Wintermorgen durften sie »den Märchenprinzen aus dem Bilderbuch des Kapitalismus« zum Grabe von Karl Marx geleiten. Der Marxismus, so bedauerte Bernie an der Gedächtnisstätte, habe die Menschen leider nicht glücklich gemacht. Cornfelds Volkskapitalismus hat es auch nicht geschafft.

Doch Pleiten machen Bernie nicht verlegen. Wenn irgend etwas schiefgeht, so versicherte er dem Team aus Deutschland, »überlege ich mir, wie ich die problematische Situation in einen Vorteil verwandeln kann«. Denn das, meint Cornfeld, »ist ein sehr wichtiger Trick im Leben«.

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