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KUNST »Wie bei Agatha Christie«

Dietrich Garlichs, 54, Geschäftsführer von Unicef Deutschland, über das Erbe des Anfang Januar verstorbenen Kunstsammlers Gustav Rau, Zweifel an der Todesursache und die Zukunft der Kunstkollektion, deren Wert auf 500 Millionen Euro geschätzt wird
aus DER SPIEGEL 5/2002

SPIEGEL: Herr Garlichs, Unicef ist der Universalerbe von Rau. Um dessen geistigen Zustand und sein Vermögen haben jahrelang diverse Anwälte gestritten. Noch sind mehrere Klagen anhängig. Dürfen Sie das Erbe mit all seinen Renoirs und Klimts überhaupt antreten?

Garlichs: Wir sind noch kein Erbe, werden es aber in absehbarer Zeit sein. Herr Rau hat schon zu Lebzeiten eine Schenkung an Unicef verfügt. Die betraf mit 622 Objekten den größten Teil der Sammlung.

SPIEGEL: Es wurde bezweifelt, dass Rau diese Entscheidung bei klarem Verstand getroffen hat.

Garlichs: Es ist fast wie bei Agatha Christie: Ein ehemaliger Anwalt Raus hat versucht, seinen eigenen Mandanten für handlungsunfähig erklären zu lassen. Aber Herr Rau wurde gerichtlich für voll handlungsfähig erklärt. Mit dieser Entscheidung kann sich die unterlegene Seite wohl nicht anfreunden.

SPIEGEL: Nach Raus Tod gab es sogar Mordverdächtigungen.

Garlichs: Dieser Unsinn hängt mit denselben Leuten zusammen. Inzwischen wurde eine Obduktion vorgenommen, auch die Einäscherung fand bereits statt. Die wäre wohl nicht zugelassen worden, wenn die Staatsanwaltschaft Zweifel an der Todesursache gehabt hätte.

SPIEGEL: In einem Bericht des ARD-»Kulturreport« wurde der Eindruck erweckt, Rau sei von seinem Umfeld manipuliert worden.

Garlichs: Herr Rau war geistig wach und wusste genau, was er wollte. Er war ein körperlich kranker Mann, er hat leise gesprochen, beinahe geflüstert. Manche Leute haben aber fahrlässig von seinem körperlichen Zustand auf seinen geistigen geschlossen. So auch verschiedene Medien. Dort ist einseitig und zynisch berichtet worden, gegenteilige Gerichtsentscheidungen wurden nicht erwähnt.

SPIEGEL: Den Kern der Sammlung mit etwa 180 Werken dürfen Sie in 25 Jahren verkaufen, den Rest sofort. Überschwemmen Sie nun den Kunstmarkt?

Garlichs: Es war der Wille von Herrn Rau, dass die Kunstobjekte verkauft werden, um mit dem Geld Unicef-Projekte zu unterstützen. Wir haben keine Ahnung von Kunst, deshalb haben wir einen Kunstbeirat eingerichtet. Erst einmal werden die Objekte katalogisiert, dann nehmen wir mit Auktionshäusern Kontakt auf. Und dann verkaufen wir, sukzessive und in aller Ruhe.

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