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UNTERHALTUNG / KLEBE Wirklich alles

aus DER SPIEGEL 21/1969

Juhuju! Jiui! Juhuiju aiai ujiui aiju!« girrt ein Irrlicht, »Ha, ha, ha«, trällert ein zweites. »Ah. ah, ah', staunt die Schlange, Oh oh oh«. stammelt die Lilie, »Ho, ho, ho«, prahlt der Riese.

Mit der wahren Kunst geht's zu wie mit dem Teufel: Sie steckt im Detail -- auch in der Oper »Das Märchen von der schönen Lilie«, die Giselher Klebe, 43, auf einen von ihm bearbeiteten Goethe-Text in 17 Monaten komponiert hat.

Am letzten Donnerstag wurden mit dem vom Süddeutschen Rundfunk in Auftrag gegebenen Werk die Schwetzinger Festspiele eröffnet. »Klebe«, verheßt das Programmheft, »schafft wieder Einlaß für Geheimnisse": 30 Streicher und Bläser fideln und posaunen sie aus. Zwei Pianisten intonieren und variieren, meist mezzoforte und adagio, »Leitmotive. Akkordmotive und Zwölftonreihen innerhalb eines bilateralen Dualismus von Diatonik und Chromatik«.

Und das machen sie wirklich schön: Geigen und Celli schwelgen in Kantilenen, von der Harfe kommen Zupfer. vom Piano kommen Tupfer, und wenn's im »Märchen« traurig wird. entströmen dem Saxophon melancholische Tonfolgen. An besonders prägnanten Stellen greift der Komponist auch gern auf das gute alle Unisono zurück -- denn wer vieles bringt, das weiß Klebe, der auch schon Schiller, Shakespeare, Balzac' Kleist und Werfel vertont hat, wird manchem etwas bringen.

Bestes Symbol für Klebes glatte Kunst ist Klebes Bühnen-Schlange: Sie windet sich und kommt kaum voran. Vorn im Reptil stimmt ein Sopran Vokalisen an, im Schwanz steckt eine Balletteuse, und die bleibt stumm wie der Mops. der Purzelbäume schlägt und Männchen macht.

Klebes infantiles Kammerspiel endet so wie es in der Oper seit altersher Brauch ist: Alle dürfen an die Rampe, Regisseur Oscar Fritz Schuh läßt Goldregen fallen, der junge Tenor verheißt seiner Schönen in hohen Tönen Herz und Hand.

Wahrlich: Im Falle eines Falles klebt Klebe wirklich alles.

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