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Gestorben Wolfgang Kohlhaase, 91

aus DER SPIEGEL 41/2022
Foto: Thomas Kierok / laif

Drehbuchautoren werden hierzulande selten berühmt. Bei Wolfgang Kohlhaase war das anders, ihn kannten erstaunlich viele Menschen. Ein Film, für den Kohlhaase das Drehbuch geschrieben hatte, war ein Kohlhaase-Film. Und erst danach ein Konrad-Wolf-Film oder einer von Andreas Dresen. Und das, obwohl seine Arbeiten eher leise waren als laut, eher melancholisch als lustig und eher dem Leben abgeschaut als eine Flucht aus dem Alltag. Kohlhaases Filme hatten immer den konkreten Menschen im Blick, und über ihn auch die Gesellschaft, in der er sich bewegte. Seine Dialoge wirkten niemals gekünstelt. »Is’ ohne Frühstück«, sagt die Sunny aus seinem berühmten DDR-Film »Solo Sunny« zu einem jungen Mann, den sie morgens aus ihrem Bett befördert. Und als der sich beschwert, fügt sie ungerührt hinzu: »Is’ auch ohne Diskussion.« Gut 20 Jahre später schrieb Kohlhaase ein Drehbuch, das wieder von einer jungen Frau und ihren Träumen erzählte. »Sommer vorm Balkon« wurde sein größter gesamtdeutscher Erfolg. Wieder spielte Berlin eine Hauptrolle, wie in den meisten seiner Filme. Jene Stadt, über die er sagte: »Sie war nie unter den schönsten Städten der Welt, aber was sagt das darüber, wie in ihr gelebt wird?« Wolfgang Kohlhaase starb am 5. Oktober in Berlin.

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