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Wolfgang Tillmans Mehr Partys für die Kunst

aus DER SPIEGEL 42/2022
Foto:

Dia Dipasupil / Getty Images

Der deutsche Fotograf Wolfgang Tillmans, 54, möchte gern, dass die Besucher des Londoner Institute of Contemporary Arts (ICA) mehr feiern. Tillmans, der gerade eine große Einzelaus­stellung im New Yorker MoMA hat, ist Vorstandsvorsitzender des Kulturzentrums, das sich in der Nähe des Buckingham-Palasts befindet. »Das ICA sollte Leute darauf aufmerksam machen, dass sich in dieser zentralen Londoner Gegend ein Ort befindet, der underground ist, progressiv – und der eine Erlaubnis hat, nachts geöffnet zu sein«, sagte Tillmans dem »Guardian«. Das ICA hat sehr unter der Pandemie gelitten und viele Besucher verloren, es ist auch von Eintrittsgeldern abhängig. Das Ziel sei laut Tillmans, ein Programm zu machen, das den Laden »bis sechs Uhr morgens« offen hält. »Die Frage ›Aber ist das Kunst?‹ wird oft bei Avant­garde-Aktivitäten oder Ausstellungen, die sich mit gesellschaftlichen Ereignissen auseinandersetzen, gestellt«, so der Fotograf. Tillmans wurde mit Bildern berühmt, in denen er das Nachtleben der frühen Neun­zigerjahre dokumentierte und ist ein häufiger Gast im Berliner Technoklub Berghain. Auch das ICA blickt auf eine wilde Geschichte zurück: 1984 fand dort ein legendäres Konzert der Einstürzenden Neubauten statt, in dessen Verlauf die Berliner Band versuchte, das Gebäude mit Presslufthämmern zum Einsturz zu bringen. »Der Schaden an Gebäude und Körpern war überraschend gering«, schrieb der »New Musical Express« damals trocken. Ähnliches Ex­trem­performertum scheint Tillmans allerdings nun nicht vorzuschweben – gegenüber dem »Guardian« sprach er lediglich von »Klubnächten«.

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