»World Press Photo 2022«-Gewinner Dieses Bild zeigt ein Verbrechen

Ihre Gräber waren lange unsichtbar, nun wurden sie entdeckt – und damit auch die Geschichten dahinter: Das beste Pressefoto des Jahres zeigt das Schicksal indigener Kinder, die in Kanada misshandelt wurden.
Erinnerungen an die verstorbenen Kinder der Kamloops Residential School in Kanada: Pressefoto des Jahres von Amber Bracken

Erinnerungen an die verstorbenen Kinder der Kamloops Residential School in Kanada: Pressefoto des Jahres von Amber Bracken

Foto: Amber Bracken / Amber Bracken / World Press Photo

Der Hauptpreis für das beste Pressefoto des Jahres geht an die kanadische Fotografin Amber Bracken – das entschied die Jury des renommierten World Press Photo Award. Ihr Bild für die »New York Times« zeigt rote Kleider an Kreuzen, aufgestellt am Straßenrand. Sie erinnern an Kinder, die in der Kamloops Indian Residential School ums Leben kamen.

Auf dem Gelände des katholischen Internats tauchten im vergangenen Jahr die Überreste von 215 Kindern auf. Schulen wie die Kamloops Indian Residential School dienten in Kanada der Assimilierung indigener Kinder, viele SchülerInnen berichten von Misshandlungen, einige starben. »Es ist ein Bild, das sich ins Gedächtnis einbrennt«, so die Begründung der Jury. Das Foto vermittle einen »stillen Moment der globalen Abrechnung mit der Geschichte der Kolonisierung«.

Fotostrecke

World Press Photo Award – das sind die Global Winners 2022

Foto: Amber Bracken / Amber Bracken / World Press Photo

Als beste Fotostory des Jahres wurde beim World Press Photo Award, der jedes Jahr herausragende Pressefotografie würdigt, die Bildstrecke mit dem Titel »Saving Forests with Fire« (Wälder mit Feuer retten) von Matthew Abbott gekürt. Auf den Fotos ist zu sehen, wie australische Ureinwohner gezielt Feuer legen, um größere Brandschäden in ihrer Umgebung zu verhindern.

Bild aus Matthew Abbotts Reihe: 2022 verlief die Auswahl auch nach einem neuen Konzept

Bild aus Matthew Abbotts Reihe: 2022 verlief die Auswahl auch nach einem neuen Konzept

Foto: Matthew Abbott / Matthew Abbott / National Geographic / Panos Pictures / World Press Photo

Der Konflikt zwischen Mensch und Umwelt spielte auch bei der Auszeichnung für das beste Langzeitprojekt eine zentrale Rolle: In seiner Fotostrecke »Amazonian Dystopia« (Amazonas-Dystopie) zeigt der brasilianische Fotograf Lalo de Almeida die Bedrohung des Regenwalds durch Abholzung und Bergbau. Das Projekt schildere damit etwas, das »nicht nur Auswirkungen auf die lokale Gemeinschaft hat«, so die Jury, »sondern auch auf globaler Ebene«.

Als bestes offenes Format weltweit wurde das Video »Blood Is a Seed« (Blut ist eine Saat) von Isadora Romero ausgezeichnet. Die Ecuadorianerin setzt sich darin mit Kolonisierung und ihren persönlichen Wurzeln auseinander.

DER SPIEGEL

Der World Press Photo Award ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für Pressefotografen. Der Preis ist in diesem Jahr pro Gewinner mit 5000 Euro dotiert, der Einsendeschluss lag vor dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine. 2022 verlief die Auswahl auch nach einem neuen Konzept: Bislang war laut Organisatoren die Zahl der Einsendungen ungleich über die Kontinente verteilt. Aus Südamerika, Südostasien sowie Afrika kamen demnach nur wenige Fotos.

In diesem Jahr stellte die Organisation deshalb auf ein regionales Modell um: In einer ersten Runde wurden für sechs Weltregionen bereits jeweils vier Gewinner in den unterschiedlichen Kategorien ausgezeichnet – aufgeteilt in Afrika, Asien, Europa, Nord- und Mittelamerika, Südamerika sowie Südostasien und Ozeanien. In einer zweiten Runde wählte die Jury aus den 24 regionalen Gewinnern die globalen Preisträger.

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