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Am Rande Worteskrieger

aus DER SPIEGEL 5/2002

Hätten Sie doch das »Teppichluder« genommen oder einfach die doppelt-gesprungene »Gewinnwarnung« der deutschen Wirtschaft - aber nein, die deutschen Wortwächter der politischen Korrektheit entschieden sich für »Gotteskrieger« als »Unwort des Jahres 2001«. Flugs sprang der Jury Aziz Alkazaz, der Kommissar Rex des Deutschen Orient-Instituts, mit einer Begründung bei, die uns die Schuhe auszieht: Den Begriff »Gotteskrieger« gebe es nicht in der islamischen Theologie, heißt es da. Das Wort, so Alkazaz, sei eine »europäische«, also eurozentristische Bezeichnung für den »Mudschahed« - offenbar ein grundfriedliches, sturzfreundliches Wesen: »Nur wenn die islamische Gemeinde angegriffen wird, darf er zur Waffe greifen.« O heiliger Elfenbeinturm des Gutmenschentums, o selig schwurbelnde Einfalt semantischer Heuchelei! Wir verstehen: Nur wenn der Mudschahed sich provoziert fühlt, wird er rabiat. Nach der Zerstörung des World Trade Center, des Symbols westlicher Provokation und Gottlosigkeit, jubelte Mudschahed Bin Laden: »Da ist Amerika, von Gott getroffen an einer seiner empfindlichsten Stellen ... Gott sei Dank dafür.« Die gläubigen Massenmörder dürfte es sehr beeindrucken, dass sie nicht Gotteskrieger heißen dürfen. Mit dem Teppichluder wäre es irgendwie einfacher gewesen.

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