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Bestseller Wunder im Saal

Erich von Däniken berichtet in einem neuen Buch über ein riesiges Tunnelsystem und dessen Goldschätze in Ecuador – für ihn Beweise für das Wirken außerirdischer Kosmonauten auf dem Erdball.
aus DER SPIEGEL 36/1972

Vor undenklichen Zeiten -- auf jeden Fall vor Jahrtausenden fand irgendwo in der Milchstraße eine Schlacht zwischen kosmischen Völkern statt. Diejenigen, die in der galaktischen Atom- und Laser-Bataille die Haue bezogen hatten, flüchteten auf die Erde -- mittels Raumschiffen natürlich.

Dort buddelten sie sich, aus begreiflicher Angst vor den Siegermächten, an verschiedenen Stellen ein, um eine kosmische Zeitlang unter dem von ihnen alsbald hergestellten Menschengeschlecht zu leben -- als Jehova oder Kukumatz oder Bep-Kororoti oder Pourangahua oder wie sonst immer die Menschen ihre astralen Genen-Konstrukteure genannt hatten.

Dies alles weiß man, wenn auch noch lückenhaft, seit 1968/69 -- seit nämlich der Schweizer Gastronom Erich von Däniken in zwei Büchern ("Erinnerungen an die Zukunft« und »Zurück zu den Sternen") den Sachverhalt ausführlich dargelegt hat.

Niemand vermag heute die Menschen und Völker zu zählen, die durch Erich von Däniken über ihre partiell himmlische Herkunft unterrichtet worden sind. Immerhin weiß man, daß

* »Erinnerungen an die Zukunft« und »Zurück zu den Sternen« in 32 Sprachen übersetzt worden sind -- unter anderem ins Englische, Russische, Japanische, Serbo-Kroatische und in vier indische Sprachen;

* die Gesamt-Weltauflage der beiden Bücher 5,4 Millionen beträgt und somit die eines anderen Welt-Bestsellers erheblich überschritten hat ("Götter, Gräber und Gelehrte« von C. W. Ceram: vier Millionen);

* Erich von Däniken an seinen Erstlingen -- nach Schätzungen von Fachleuten -- zwischen 2,5 und drei Millionen Mark brutto verdient haben dürfte.

Gleichwohl -- beide Bücher hinter ließen Zweifel.

Zwar waren dem Forscher aus dem schweizerischen Zofingen erstaunliche Einsichten gelungen -- vornehmlich mit Hilfe einer neuartigen Analyse von biblischen Texten oder prähistorischen Funden. So hatte er, mit beträchtlichem Aufwand an spekulativem Scharfsinn. aus Hesekiel, 1. Kapitel, entziffert, daß der Prophet der Landung eines göttlichen Raumschiffs beigewohnt haben muß. Und so hatte er auf einer Steinzeichnung der Maya-Stadt Palenque den Gott Kukumatz als den Piloten einer Weltraumrakete entlarvt.

Doch war ihm bislang versagt geblieben, handgreifliche Spuren des Wirkens der galaktischen Heimatvertriebenen vorweisen zu können. Es fehlten -- sozusagen -- die irdischen Fußstapfen der Astralwesen.

Dieser Mangel ist nun behoben. Die Spuren göttlicher Werkzeuge sind da. Erich von Däniken sah sie -- vor 178 oder 177 Tagen: am 4. (oder 5.) März 1972, an einem noch geheimen Ort in der Provinz Morona Santiago. im Dreieck Gualaquiza-San Antonio-Yaupi im Staate Ecuador, 240 Meter unter der Erde. Was Erich von Däniken dort sah, war »eine Orgie der Menschheitsgeschichte in Gold« -- und noch viel mehr.

Däniken säumte die denkbar kürzeste Zeit, den Fund in einem neuen Buch publik zu machen. »Aussaat und Kosmos. Spuren und Pläne außerirdischer Intelligenzen« erscheint dieser Tage in den Läden der Bundesrepublik. der Schweiz und Österreichs: vorläufig in 150 000 Exemplaren*. Zwölf ausländische Verlage haben sich schon um Übersetzungslizenzen bewarben, und sie sind gewillt, wie Däniken-Verleger Barth von Wehrenalp (Econ) versichert, für »Aussaat und Kosmos« doppelt soviel Honorar zu zahlen wie für die beiden vorangegangenen Bücher -- angesichts der in dem neuen Werk mitgeteilten Kunde eine immer noch geringe Gebühr.

Unter dem südamerikanischen Kontinent befindet sich, so berichtet Däniken darin, ein mehrere tausend Kilometer langes Tunnelsystem. geschaffen von Kosmonauten. Einige hundert Kilometer dieses Systems wurden im Juni 1965 von einem Mann namens Juan Moricz unter der Oberfläche Ecuadors und Perus entdeckt und seither von ihm begangen. Moricz, ein Argentinier un

* Erich von Däniken: »Aussaat und Kosmos -- Econ Verlag. Düsseldorf: 288 Seiten: 20 Mark.

garischer Herkunft und »Wissenschaftler«, führte Däniken im März zum Eingang des Stollensystems, stieg mit ihm in die Tiefe und zeigte dem Schweizer etwas, was diesen mit »einem großen Glücksgefühl« erfüllte.

»Jetzt biegen wir rechts ab«, hatte Moricz gerufen, als sie den »siebenten Gang« begingen, und dann stand Däniken in einem »namenlosen Saal« (110 mal 130 Meter) und sah eine »Verrücktheit« und ein Wunder:

* einen »zoologischen Garten«, bestehend aus Sauriern, Elefanten, Jaguaren » Echsen, Schnecken, Krebsen und so fort, alle aus »reinem Gold«, und

* eine »Bibliothek« aus Tausenden von Metallfolien (96 mal 48 Zentimeter). alle gestempelt und mit fremdartigen Schriftzeichen bedeckt, die, laut Däniken, von einer Schreibmaschine zu stammen scheinen.

Daß das von Moricz entdeckte Tunnelsystem Jahrtausende alt ist und von außerirdischen Intelligenzen geschaffen wurde, bedarf kaum der Erklärung. Am Eingang des immerhin Tausende Kilometer langen Systems ist kein Aushub zu sehen; die Wände der Gänge sind, laut Däniken, mit »diamantharten Glasuren« überzogen.

Ein glücklicher Zufall lieferte dem Forscher die Erklärung für die beiden Phänomene. Just vier Wochen nach seiner Tunnel-Begehung, nämlich am 3. April dieses Jahres, berichtete der SPIEGEL unter dem Titel »Heiße Nase« darüber, daß amerikanische Forscher einen Hitzebohrer entwickelt hätten, mit dem Gestein geschmolzen, durchbohrt und glasiert werden kann. Was liegt näher, als anzunehmen, daß die Götter des heißen Bohrens fähig waren? Däniken jedenfalls ist dessen ziemlich sicher.

Freilich, Däniken liefert auch andere Beweise für das Jahrtausende-Alter des Tunnel-Werks -- aber die sind, sozusagen, mehr konventionell-dänikitisch: von Monicz gefundene Steinzeichnungen, von Männchen etwa, die auf Erdkugeln stehen und dergestalt unzeitgemäße astronomische Kenntnisse beweisen, und dergleichen mehr.

Daß Däniken nicht einfach den goldenen Zoo und die Metallfolien-Bibliothek photographierte, dafür hat er einleuchtende, wenn auch komplizierte Gründe. Moricz fürchtete, daß die Folien durch das Blitzlicht beschädigt werden könnten. Däniken selbst erwog gar, ob ein von den Kosmonauten eingebauter Laserstrahl zünden und alles vernichten würde. »Wer das dort unten erlebt hat«, fügt er hinzu, »wird Verständnis für solche absurden Gedanken haben.«

Auch sonst wird es der Wissenschaft ziemlich schwerfallen, den Spuren der Glücks-Finder Moricz und Däniken zu folgen. Dänikens Ortsangaben sind aus begreiflichen Gründen -- Gold- und Kunstdiebe! -- vage genug, um nicht entziffert werden zu können. Außerdem bewachen »tückische« Indios, bewaffnet mit Giftpfeile schleudernden Pusterohren, den Eingang des Systems. Und schließlich: Weiß der Teufel, wie das mit dem Laserstrahl ist?

im übrigen werden die Kosten der Tunnel-Forschung ziemlich hoch sein. Eine Elektrizitätsstation wird, nach Meinung Dänikens, beschafft werden müssen, dazu Lager für Verpflegung. Geräte für bergbaumäßigen Vortrieb, Sicherheitseinrichtungen -- alles in allem mindestens eine Million Schweizer Franken.

Dabei ist keineswegs sicher, daß sich Behörden und Menschen finden lassen. die sich den finanziellen Beschwernissen des Tunnel-Unternehmens aussetzen wollen -- von den leiblichen Gefahren ganz zu schweigen: Pusterohr. Laserstrahl und Steinschlag.

Außerdem können Kenner der von Däniken als Fundgebiet bezeichneten Provinz Morona Santiago (etwas größer als Schleswig-Holstein) nur schwer ihr Mißtrauen gegenüber gewissen Angaben Dänikens überwinden. Der Gießener Geologe Professor Fritz Stibane zum Beispiel untersuchte vor kurzem in dem fraglichen Gebiet Höhlen -- weiß aber von keinen künstlichen Stollen und keinen Goldschätzen, wohl aber von Kalkauswaschungen, in denen sich auch Stalagmiten finden.

Auch überrascht den Professor die Mitteilung Dänikens, er sei mittels eines Toyota-Jeeps in das Höhlengebiet gelangt. Es gebe dort nämlich keine Straßen und matt reise dorthin allenfalls per Kleinflugzeug oder zu Fuß. Und schließlich: Er. Stibane, habe in diesem Frühjahr einen der wenigen Weißen des Gebiets aufgesucht: den am Rio Santiago missionierenden Pater Juan Arcos -- aber dem sei keine Kunde von dem Auftreten Dänikens zuteil geworden.

Zweifel äußerte auch der vom SPIEGEL befragte Lehrer an der deutschen Schule in Quito, Erwin Patzelt. Der Lehrer, der mehrere ornithologische Expeditionen in das Höhlengebiet unternahm, meinte: »Alles, was man da herausholen kann, sind Vogeleier.«

Wie immer es auch mit dem kosmonautischen Goldschatz im Tunnel steht

der unermüdliche Däniken verfügt, glücklicherweise, noch über einen weiteren solchen. Dieser befindet sich auf dem Hinterhof der Wallfahrtskirche Maria Auxiliadora in der ecuadorianischen Stadt Cuenca, 2500 Meter hoch in den Anden. Sammler und Hüter desselben ist der 83jährige Salesianer-Pater Carlo Crespi.

Däniken gesteht unumwunden, daß ihn der erste Anblick des Crespi-Schatzes »rasend« gemacht habe -- begreiflicherweise, denn er sah »Hunderte von Goldplatten«, sämtlich bedeckt mit Zeichen, die »nahezu unzweifelhaft Symbole für die Weltraumfahrt sind": Schlangen, Sonnen, Monde, Astronautenmonstren (mit Kabeln um den Kopf und Steckkontakten und Flügeln) und so fort.

Der Crespi-Schatz hat, gemessen an dem Tunnel-Zoo, den Vorzug, nicht durch Laserstrahlen geschützt zu sein. Däniken konnte ihn photographieren. Einige Lichtbilder sind in »Aussaat und Kosmos« zu finden. Vorletzte Woche schloß Däniken seine Arbeiten für einen demnächst erscheinenden Bildband ab. Jetzt ist der ruhelose Göttersucher in Kanada.

Wenngleich Däniken meint, er sei der erste, der über den Crespi-Schatz berichten und das viele Weltraum-Gold photographieren durfte, ist die Kenntnis von der Sammlung auf dem Kirchen-Hinterhof von Cuenca doch vielen Amerikanisten ziemlich geläufig.

Freilich macht Däniken geltend, daß Pater Crespi etwas eigenartig sei und nicht jedem Besucher alle seine Schätze zeige. Auch sei es recht beschwerlich, sich dem Geistlichen zu nähern. Crespi habe nämlich noch »nie Wasser an seinen sündigen Leib kommen« lassen, und sein Odem sei ein »sicherer Schutz vor Menschen«. Letzteres wird denn auch von der Akademischen Rätin Dr. Hartmann bestätigt, einer Assistentin des Bonner Amerikanisten Professor Oberem, die in diesem Frühjahr den Crespi-Schatz (oder einen Teil desselben) besichtigte.

Im übrigen weichen die Ansichten der Amerikanisten über den Crespi-Schatz von denen Dänikens beträchtlich ab. Frau Hartmann meint, zwar gebe es in der Sammlung »ausgezeichnete Stücke« -- vornehmlich steinerne -, dazwischen aber viele Fälschungen aus Blech und Messing.

Anton Graf Preising, ein in Quito lebender Restaurator, erinnert sich zwar auch an »wertvolle Stücke«, mehrheitlich aber an Imitationen, wie man sie dutzendweise in den Souvenirläden von Cuenca kaufen kann. Und der in Ecuador lebende dänische Archäologe Olaf Holm versicherte dem SPIEGEL, der alte Herr -- also Pater Crespi -- habe Mühe, Silber von Blech und Messing von Gold zu unterscheiden.

Alle Amerikanisten sind sich einig. daß Pater Crespis Stücke -- ob echt oder unecht -- verschieden zu interpretieren sind, nur nicht als Dokumente von Astralwesen.

Däniken hat das vorausgesehen. »Ich bin gespannt«, meint er, »mit welchem Dreh man den ungeheuerlichen Goldschatz« des Paters »aus der Welt schaffen wird«.

Unbeirrt von solchen Anfeindungen eilt Däniken, wie seinem Buch zu entnehmen ist, über den Erdball -- unentwegt nach Göttern spürend, sei es in Taipeh auf Formosa, sei es in Anatolien, Mexiko, Neuseeland oder auf den Karolinen, auf »Temuen, der Insel, die man Nan Madol nennt«.

Die Augen der Wissenschaft, sagt Däniken, seien blind geworden und »die Gedanken stumpf«. Doch hat er Hoffnung: »Wie vom Ton einer Stimmgabel angerührt, schwingt gemeinsame Ahnung von etwas Großartigem im Raum.«

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