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Musical Yoko Onos Bernstein-Variante

aus DER SPIEGEL 29/1996

New York ist die brutalste Stadt der Welt, in der Kinder so einsam sind, daß ihr bester Freund ein Revolver ist: So jedenfalls will es das Klischee - und auch John-Lennon-Witwe Yoko Ono, 63, die sich offenbar für eine Kennerin der Szene hält; schließlich lebt sie seit Jahrzehnten in der Stadt, wenn auch am Central Park und nicht in Brooklyn. Unter dem Titel »New York Story« hat sie ein ebenso sozialkritisches wie rührseliges »Art-Musical« geschrieben, das so tut, als habe es Leonard Bernsteins »West Side Story« nie gegeben. Eine Streetgang hat Bills Mutter erschossen, als er ein Kind war, und der vom Schicksal Gezeichnete trifft auf die Schriftstellerin Jill, die von ihrem Freund mißhandelt wird. Die zwei Unglücklichen verlieben sich ineinander, doch das Glück währt nur kurz: Bill wird von einem Auftragskiller einfach auf der Straße abgeknallt. Das ist sehr traurig, mehr, als gerade Yoko Ono ertragen kann, und so sendet Bill noch aus dem Jenseits allerhand Liebesschwüre, und Jill darf auch noch einen Selbstmörder retten. Der Berliner Aktionskünstler Gerald Uhlig, der sich von der Welt genauso mißverstanden fühlt wie Yoko Ono, hat das Werk ein wenig bearbeitet und es inszeniert, und zwar in der »Cristallerie« von Villeroy & Boch in Saarbrücken-Wadgassen. Das ist ziemlich weit weg von New York; Yoko Ono aber hat trotzdem versprochen, zur Welturaufführung am Donnerstag dieser Woche zu kommen.

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