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FILM / NEU IN DEUTSCHLAND Zähmung auf italienisch

aus DER SPIEGEL 38/1967

Der Widerspenstigen Zähmung (England). Gut ein Drittel aller Shakespeare-Stücke spielt in Italien. Franco Zeffirelli, der italienische Reise-Regisseur, ist auf dem Wege, sie nach Landessitte zu beleben.

Er hatte den Londonern schon »Romeo und Julia« im smarten Action-Verismo auf die Bühne gebracht; für die Kino-Version der »Zähmung« mobilisierte er nun Prunk und Pomp der Renaissance und die historische Polter-Komik der Commedia dell"arte.

In ockergetönten Tableaus, kunstvoll alten Meistern nachgestellt, wogt Volk und Vieh durchs pittoreske Papp-Padua, und Petruchio, das Rauhbein mit der Gockelseele, weicht nicht zurück, wenn die wilde Käthe böse Blicke, alte Stühle und fette Schinken auf ihn wirft.

Die große Zirkus-Nummer liefern der Shakespeare-Heros Richard Burton und die Hollywood-Diva Elizabeth Taylor -- im Leben längst ehelich vereint. Burton, breit und bärtig, dressiert mit Brio und Behagen, während Frau Taylor ein Temperament zu bändigen sucht, das sie nicht hat.

Die ungleiche Bravour bringt einen brutalen Zug ins Spiel, denn die Zähmung durch Hunger, Schlafbehinderung und seelische Grausamkeit ist dann nicht mehr das augenzwinkernde Duell zwischen ebenbürtigen Partnern

eher ein Vorgang nahe der Gehirnwäsche.

So sinistre Aktualität wie jede andre Art von Tiefsinn hat Zeffirelli freilich nie im Sinn gelegen. Entlang der treu bewahrten Shakespeare-Verse läßt er das berühmte Paar auf Dächer klettern, in Wollberge plumpsen oder durch stilisierte Landschaften traben.

Und wenn für eine komische Einlage Barden-Worte fehlen, untermalt Burton sie mit herzlichem Lachen. So ist im Kino immer einer heiter.

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