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CATERINA VALENTE Zeit der Reife

aus DER SPIEGEL 31/1964

Schon in der ersten Stunde ihres

ersten Auftritts im noblen New Yorker »Plaza«-Hotel erkannte der Musikkritiker Jack O'Brian: »Sie ist einfach der beste weibliche Unterhaltungsstar der Welt.«

O'Brian war nicht der einzige amerikanische Show-Experte, den Caterina Valentes universelles Talent verblüffte. Wenig später, im Mai dieses Jahres, berichtete die »New York Times« nach einem vierwöchigen Gastspiel der Valente in Las Vegas: »Etwas Neues, Aufregendes ist im Mekka des Schau-Geschäfts geschehen. Caterina Valente hat alle Zuhörer zu ihren Fans gemacht.«

Als Valente-Fans bekannten sich sogar Komponisten wie Richard Rodgers ("Oklahoma") und so arrivierte amerikanische Show-Spieler wie Bing Crosby und Danny Kaye, Cinnie Francis und Elvis Presley. Sie alle verhießen dem Star aus Europa eine Karriere, wie sie ein Ausländer in Amerika noch nicht erlebt hat.

Es ist die zweite Karriere der paßdeutschen Italienerin. Ihre erste hatte sie vor einem Jahrzehnt als Jazz-Sängerin bei Kurt Edelhagen begonnen. Noch 1959 war sie in Deutschland - nunmehr als Schlager-Künstlerin - so favorisiert, daß von ihrem »Habanero« fast eine Million Schallplatten gepreßt und verkauft wurden.

Seit etlichen Jahren jedoch wird Caterina Valentes weiche Platten-Welle weniger geschätzt. Valente-Mann und -Manager Eric van Aro (bürgerlich: Gerd Scholz): »Meine Frau ist in Deutschland nicht mehr gefragt.«

In Amerika hingegen ist die Nachfrage nach Aros Frau jetzt überaus rege geworden: Die an Show-Sensationen gewöhnten amerikanischen Musikmanager honorieren die außergewöhnlich perfekten Gesangs- und Tanz-Darbietungen des »musikalischen Urviechs«

- so einst Plattenproduzent Kurt Feltz - mit außergewöhnlichen Kontrakt-Angeboten.

Das exklusive »Desert Inn« in Las Vegas offerierte einen splendiden Vertrag, Hollywoods MGM beeilte sich, sie für einen Film zu interessieren, und Fernsehangebote, so Eric van Aro, »bekommen wir so viel, daß wir uns nicht mehr retten können«.

Die beste Offerte kam aus New York: Die »Carnegie Hall«, in der die Judy Garlands, Benny Goodmans und Harry Belafontes ihr Glück machten und machen, trug der kontrolliert und kühl singenden Valente eine eigene Bühnen-Show an. Die Sängerin fühlte sich geehrt und lehnte ab: »Ich bin noch nicht soweit. Die Zeit ist noch nicht reif.«

Denn der überlegt disponierende Ehemann Aro will die neue Karriere seiner Künstler-Frau behutsam - »Sprosse für Sprosse« - aufbauen: »Wir haben Zeit.«

Aro schloß mit der Fernsehgesellschaft CBS ab, die von Mitte September an Caterina Valentes musikalische Kleinkunststücke in große Shows einbauen und in 22 Fortsetzungen über 180 Stationen ausstrahlen will.

»Danach«, prophezeit van Aro, »dürfte der Weg zur Spitze im amerikanischen Fernsehgeschäft frei sein. Ich hoffe, in der nächsten Saison wird Caterina Valente eine eigene TV-Show haben.«

Erfahrungen im amerikanischen Fernsehen hatte die Valente schon 1962 sammeln dürfen: Show-Master Perry Como hatte den Star innerhalb von 16 Monaten achtmal in seine populäre Schau-Serie geholt, die Kraft's Käse-Konzern für jeweils 80 Millionen Amerikaner ausstrahlen ließ.

Der Italiener in Amerika war von der Italienerin aus Deutschland so angetan, daß er ihr zur Huldigung eine »Caterina«-Canzone anfertigen ließ. Und Bing Crosby gewährte ihr, was er sonst keinem Gast-Star gewährt: einen 30 -Minuten-Auftritt in seiner TV-Unterhaltungssendung.

Während der Exjongleur Aro dieses überraschende Emporkommen seiner Frau auf sein umsichtiges Jonglieren mit Angebot und Nachfrage, aber auch auf ihr »wahnsinnig großes Talent« zurückführt, weiß die Valente: »Ich habe einfach das amerikanische Show-Feeling. Ich bin vor allem eine brave Ehefrau ohne Skandale, das gefällt den Amerikanern.«

Da aber auch die bravste Ehefrau nicht für alle Zeiten auf amerikanische Gunst bauen darf, hat Caterina Valente inzwischen fürs Alter vorgesorgt: Seit kurzem können sich in Berlin junge Talente, die Ehemann Aro entdeckt, von

- ihr zu stimmpotenten Sängerinnen entwickeln lassen.

Denn die Valente, die sich kürzlich bei den »4. Deutschen Schlagerfestspielen« in Baden-Baden mit dem Gilbert-Becaud-Chanson »Was wird aus mir?« als Tragödin versuchte, sieht fern: »Es sieht verdammt traurig um den Nachwuchs in Deutschland aus. Niemand zeigt den jungen Leuten, wie man ein guter Künstler wird und bleibt.«

Motto der Hilfsschule: »Talente durch Valente«.

Sängerin Caterina Valente »Was wird aus mir?«

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