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ZEITGESCHICHTE Zwei Genies und die Bombe

Zu den großen Rätselnder modernen Wissenschaftsgeschichte zählt noch immer ein Treffen der beiden Nobelpreisträger Werner Heisenberg und Niels Bohr während des Zweiten Weltkriegs. Die Superstars der Atom- und Quantenphysik aus Deutschland und Dänemark hatten vor über sieben Jahrzehnten wie Vater und Sohn zusammengearbeitet - doch dann kommt Adolf Hitler, und die Freunde geraten in feindliche Lager. Dem unvermeidlichen menschlichen Konflikt folgt im Zuge der Entdeckung der Kernspaltung ein auch in der Sache liegendes Drama. Heisenberg wird von den Machthabern des Dritten Reichs bedrängt, die neuen Möglichkeiten auf eine technische Nutzung hin zu untersuchen, also die denkbar gewordene »Uranbombe« zu entwickeln.Im September 1941 sucht er in Kopenhagen, das zu diesem Zeitpunkt bereits von den Nazis besetzt ist, seinen Lehrmeister auf - und über den großen Rest streiten sich die Historiker. Will der Deutsche so die Alliierten warnen und einen Deal inszenieren? Fehlen dem weltweit anerkannten Forscher letztlich die Kenntnisse, oder bleibt er absichtsvoll unterhalb seiner Möglichkeiten, um Hitler ein Massenvernichtungsmittel zu verwehren, das schließlich vier Jahre später zur Katastrophe von Hiroschima führt?Der Brite Michael Frayn hat aus diesem Stoff ein spektakuläres Theaterstück gemacht, das nun schon seit Monaten am New Yorker Broadway für Furore sorgt. Der in Amerika zunächst geächtete Werner Heisenberg erscheint dabei in überraschend günstigem Licht.
Von Hans-Joachim Noack
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