Übergriff bei Demo in Zwickau MDR verurteilt tätlichen Angriff auf Kamerateam scharf

Vermummte schlagen erst gegen eine Kamera, dann einen Journalisten: Bei einer nicht genehmigten Veranstaltung gegen Coronamaßnahmen ist es zu Angriffen auf ein Fernsehteam gekommen. Der MDR ruft zur Solidarität auf.

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat einen tätlichen Angriff auf eines seiner Kamerateams in Zwickau bei Dreharbeiten zu einer Versammlung gegen Coronamaßnahmen »aufs Schärfste« verurteilt. »Die immer gewalttätigere Auseinandersetzung um Coronamaßnahmen ist erschreckend und unerträglich«, erklärte MDR-Intendantin Karola Wille. Es brauche »starke Solidarität und das immerwährende Eintreten für Medienfreiheitsrechte als wichtiges Grundrecht jeder Demokratie«.

Die Journalisten waren am Montagabend bei Dreharbeiten zu einem sogenannten Spaziergang gegen Coronamaßnahmen in der sächsischen Stadt angegriffen worden. Zu der nicht genehmigten Versammlung hatten laut MDR unter anderem die »Freien Sachsen« aufgerufen, die vom sächsischen Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich eingestuft wurden.

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In einem Video, das einer der betroffenen Journalisten auf Twitter verbreitete, ist zu sehen, wie sich zwei vermummte Männer auf aggressive Weise dem Kamerateam nähern. Einer von ihnen schlägt gegen die Kamera und fordert den mit dem Handy filmenden Journalisten auf, damit aufzuhören. Dabei schlägt er auch in Richtung des Journalisten, woraufhin die Polizei einschreitet. Als sich noch weitere Gewaltbereite einmischen, drängen die Polizisten die Männer zurück.

Die sächsische Polizei sprach von »verbalen und körperlichen Übergriffen« gegen das Kamerateam. »Es wurden Identitäten festgestellt und mehrere Strafanzeigen gefertigt«, erklärten die Beamten. Auch der MDR erstattete nach eigenen Angaben Anzeige.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hatte bereits im April berichtet, dass Deutschland in der weltweiten »Rangliste der Pressefreiheit« erstmals aus der Spitzengruppe herausgeflogen sei. »Aufgrund der vielen Übergriffe auf Coronademonstrationen mussten wir die Lage der Pressefreiheit in Deutschland von ›gut‹ auf nur noch ›zufriedenstellend‹ herabstufen: ein deutliches Alarmsignal«, sagte damals Vorstandssprecher Michael Rediske.

Deutschland rangiert im Vergleich von 180 Ländern auf dem 13. Platz. Im Vorjahr hatte die Bundesrepublik zwei Plätze höher gelegen. Nach vergleichbarer Methodik gibt es die Aufstellung seit dem Jahr 2013.

sak/afp
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