Das gefühlte Komma Post an den Zwiebelfisch

Ach du liebes Komma! Von "Tausend Dank bis "Sie sollten sich was schämen" reichen die Reaktionen der Leser auf den "Zwiebelfisch"-Artikel über das gefühlte Komma. Lesen Sie hier eine bunt gemischte Auswahl!




Lieber Zwiebelfisch! Vielen, vielen Dank für den Beitrag über das gefühlte Komma! Manchmal bereitet es in der Tat körperliche Schmerzen, Mails mit Sätzen wie "In der Zusammenfassung, sind mir dennoch ein paar Details aufgefallen" zu bekommen - was leider oft genug passiert. Was Menschen dazu bewegt, einen ganz normalen Hauptsatz mit einem willkürlichen Komma in eine geteilte Zone zu verwandeln, das ist und bleibt mir schleierhaft.

Birgit Steinbock, Köln


Hallo Herr Sick, die Firma, in der ich arbeite, hat vermutlich nichts mit Ihrem Nachnamen zu tun. Dennoch bin ich ein eifriger Leser Ihrer Zwiebelfischchen.

Bezüglich der Kommata kann ich noch etwas hinzufügen. In Freiburg gab es mal eine Werbeaktion für die Stadt und die Region. Sie hieß: "Freiburg hat was alle suchen"

Irgendjemand hat sich einen Spaß daraus gemacht und ein Komma eingefügt. Allerdings nicht vor dem Relativpronomen, sondern dahinter. Da hieß es dann: "Freiburg hat was, alle suchen"

Christof J. Meyer, SICK AG, Waldkirch


Lieber Herr Sick, eine große Baumarktkette (Praktiker) benutzt den Werbespruch "Geht nicht, gibt's nicht".

Dieser Satz soll wohl suggerieren, dass es den Ausdruck "Das geht nicht" dort nicht gibt. Es geht alles. Meiner Ansicht nach ist das Komma falsch. Der Satz müsste lauten: "Geht nicht gibt's nicht."

Ansonsten wäre es ja eine Aufzählung. Also beispielsweise als Antwort eines Mitarbeiters des Baumarktes auf die Frage eines Kunden: 1. Geht nicht 2. Gibt's nicht

Ich habe die Firma auch schon vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, aber es kam keine Reaktion. Vielleicht weil ich Unrecht habe?

Frank Junginger

Antwort vom Zwiebelfisch: Lieber Herr Junginger, Sie haben keineswegs Unrecht. "Geht nicht" ist das Subjekt des Satzes; es durch ein Komma abzutrennen, schafft nicht unbedingt mehr Klarheit.


Lieber Zwiebelfisch, es gibt vielleicht so etwas wie eine ausgleichende Gerechtigkeit: In deutschen Sätzen lehnt man sich an Anglismen an und setzt ein Komma dort, wo es nicht hingehört. "After the rain, the sun shines again" wird zu "Nach dem Regen, scheint die Sonne wieder", was unzweifelhaft falsch ist. Im Gegenzug werden englische Sätze von den Deutschen gern mit einer deutschen Kommaregel angereichert: "Er sagte, dass dies nicht wahr sein könne" wird gern mit "He said, that this could not be true". Ich habe im Englischunterricht aber gelernt, dass vor einem solchen "that", welches für ein "dass" steht, nie ein Komma stehen darf.

Jens Breitenbach


Sie jetzt auch noch? Reicht es denn nicht, dass sich im drittdunkelsten Abschnitt der deutschen Geschichtsschreibung fachpervertierte Germanisten an diesem ach so unschuldigen Satzzeichen vergingen? Nein, ich meine nicht unser Rechtschreibreförmchen; ich meine diesen, nur einem Lateinergehirn entspringbaren Gedanken, ein stilistisches Mittel einem Regelwerk zu unterwerfen. Was soll denn ein Komma dem Wesen nach transportieren? Eine "grammatikalische" Konstruktion, oder ein Gefühl, eine Satzmelodie? Das Komma wurde von Konrad Duden und Konsorten unrechtmäßig okkupiert, und Sie sollten sich für Ihren expressis verbis vorgetragenen Appell diese Unsäglichkeit fortzuführen was schämen.

Wolfgang Jaschke, Staude Software, Hünxe


Hallo Herr Sick, ich möchte Ihnen meinen Respekt für Ihre Kolumne zollen. Deutschland wird immer dümmer und ich lese regelmäßig und mit großer Freude Ihre Artikel.

Es ist schön zu sehen, dass es noch Menschen gibt, die weniger oberflächlich mit der Rechtschreibung umgehen, als das die meisten anderen inzwischen tun.

Glaubte ich bislang immer, dass meine Rechtschreibung deutlich über dem Durchschnitt liegt, kommen mir beim Lesen Ihrer Artikel doch immer noch Zweifel. Informativ, witzig geschrieben und in jedem Fall nützlich!

Sven Ediger, Lübeck


Lieber Herr Sick, Sie schreiben: "Schlimmer als fehlende Kommas sind Kommas an Stellen, wo sie nicht hingehören."

Und noch schlimmer sind Leute, die die Rechtschreibung anderer kritisieren, aber selber nicht wissen, wie man den Plural von Komma bildet ;-)

Martin Probst

Antwort vom Zwiebelfisch: Das muss an dieser Stelle vielleicht mal klargestellt werden: Die Mehrzahl von Komma lautet sowohl Kommata (fachsprachlich) als auch Kommas (eingedeutscht). Beide Formen sind korrekt und gängig. Als Liebhaber der deutschen Sprache gebe ich, wenn ich die Wahl habe, meistens der deutschen Form den Vorzug, daher verwende ich Kommas statt Kommata, Semikolons statt Semikola und Nomen statt Nomina.


Wunderbar, dass Sie die Kommaregeln auf den Punkt bringen! Eine kleine Ergänzung möchte ich gern anmerken, da sie weitgehend unbekannt scheint. Dabei handelt es sich um das Komma beim erweiterten Infinitiv.

Die Regel lautet: Den erweiterten Infinitiv trennt ein Komma ab. Die Falle indes lautet: aber nicht immer.

Dann nämlich, wenn der erweitere Infinitiv das Subjekt des Satzes bildet, fällt das Komma weg.

Beispiel 1, mit Komma: "Es macht mir Spaß, Kommas an der richtigen Stelle zu setzen."

Beispiel 2, ohne Komma: "Auf ein Komma zu verzichten ist eine unerlässliche Angelegenheit."

In Beispiel 1 gehört der erweiterte Infinitiv ("Kommas an der richtigen Stelle zu setzen") laut Regel vom Hauptsatz ("Es macht mir Spaß") abgetrennt.

In Beispiel 2 darf kein Komma den erweiterten Infinitiv ("Auf ein Komma zu verzichten") abtrennen, da es sich dabei um das Subjekt des Satzes handelt.

Claus-Georg Petri, Stuttgart


Lieber Zwiebelfisch, es ist nicht so, dass ich in deinem letzten Artikel besonders danach gesucht hätte. Ich bin vielmehr einfach darüber gestolpert:   "Es ist nicht schwer, sich auszumalen, wie so ein Schild entsteht."   Ist da nicht ein Komma zu finden, das da nicht hingehört? Es handelt sich doch um einen erweiterten Infinitiv mit "zu", der zum vorderen Hauptsatz gehört. Und das "sich" macht das Kraut wohl auch nicht fett, oder? Man würde ja schließlich auch nicht schreiben:   "Es ist nicht schwer, zu begreifen, wie so ein Schild entsteht."   Ich wäre dir sehr dankbar für eine Aufklärung

Albrecht Charles Liskowsky, Dresden

Antwort vom Zwiebelfisch: Lieber Herr Liskowsky, das Reflexivpronomen "sich" gilt bereits als Erweiterung und rechtfertigt somit ein Komma vor der Infinitivgruppe. Generell aber gilt seit der Rechtschreibreform, dass der erweiterte Infinitiv nicht mehr mit Komma abgetrennt werden muss. Dafür darf umgekehrt bereits der einfache Infinitiv mit "zu" durch Komma vom Hauptsatz abgetrennt werden.

Man darf jetzt also ein Komma setzen, wo es früher nicht erlaubt war: "Er forderte sie auf, zu verschwinden." Und man kann es jetzt dort weglassen, wo man's früher setzen musste: "Er forderte sie auf unverzüglich das Haus zu verlassen."

Dies ist ein äußerst unbefriedigender Zustand - wie so vieles, was sich mit der Reform verbindet. Die Reformer wollten die Unterscheidung zwischen einfacher und erweiterter Infinitivgruppe abschaffen und haben damit vor allem eines erreicht: Verwirrung zu stiften.

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