Hintergrund Was der Name Zwiebelfisch bedeutet


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Laut Lexikon ist der Zwiebelfisch zunächst mal tatsächlich ein Fisch, Anglern besser bekannt als Ukelei, aus der Familie der Karpfenfische, wissenschaftliche Bezeichnung Alburnus alburnus. Er gilt als "geselliger Oberflächenfisch" und ist in stehenden und nicht zu stark strömenden Gewässern nördlich der Alpen zu finden. Derartige Eigenschaften (gesellig, oberflächlich, strömungsscheu) lassen ihn nur bedingt als Paten für eine Kolumne geeignet erscheinen, die sich anschickt, in die Tiefen der deutschen Sprachniederungen hinabzutauchen.

Doch das Wort hat noch eine zweite Bedeutung: Im Buch- und Zeitungsdruck bezeichnet "Zwiebelfisch" einen Buchstaben innerhalb eines Wortes, der (versehentlich) in einer falschen Schriftart gesetzt wurde. Irgendjemand hatte mal die Assoziation, dass ein Haufen durcheinander geratener Schrifttypen wie ein Schwarm Zwiebelfische aussehe. Da die Setzersprache bildhafte Ausdrücke sehr schätzt (man denke an "Hurenkind" und "Schusterjunge"), hat sich der "Zwiebelfisch" als Bezeichnung für falsch gesetzte Lettern etabliert. Und da diese Kolumne es sich zur Aufgabe gemacht hat, "falsch gesetzte" Wörter in deutschen Texten aufzuspießen, also "Zwiebelfische" im übertragenen Sinn, schwamm ihr der Name buchstäblich zu.

Die Idee, den Begriff "Zwiebelfisch" aus der Buchdruckersprache auf einen weiter gefassten sprachlichen Kontext zu übertragen, ist allerdings nicht ganz neu. Bereits 1910 gründete Franz Blei eine bibliophile Zeitschrift für Literatur und Kunst dieses Namens, die von 1911 an im Münchner Hyperion-Verlag von Hans von Weber und dessen Sohn fortgeführt wurde, bis ihr Erscheinen 1934 eingestellt wurde. Nach dem Krieg lebte die Zeitschrift kurzzeitig wieder auf, und zwar von 1946 bis 1948.

Heute ziert der Name "Zwiebelfisch" einen kleinen Buchverlag in Berlin, ein Magazin für Gestaltung von der Freien Hochschule für Grafik-Design in Freiburg, eine seit über 30 Jahren bestehende Kneipe in Berlin Charlottenburg sowie etliche Kochrezepte, in denen Fischfilet und jede Menge Gemüsezwiebeln eine Rolle spielen.

Und nun eben auch diese sprachpflegerische Kolumne bei SPIEGEL ONLINE, die schaurige, traurige, unsägliche, unerträgliche, abgehobene und verschrobene Erscheinungen der deutschen Sprachkultur unter die Lupe und aufs Korn nimmt.

Sämtliche "Zwiebelfisch"-Texte sind jederzeit nachträglich abrufbar, und zwar unter der Adresse http://www.spiegel.de/zwiebelfisch . Klicken Sie dort am Ende der Seite auf "Weitere Artikel", um sich auch die älteren "Zwiebelfische" anzeigen zu lassen.

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E-Mails an den Zwiebelfisch bitte ausschließlich an diese Adresse schicken:

zwiebelfisch@bastiansick.de

Anschrift für Postsendungen:

Bastian Sick
Am Sandtorkai 56
20457 Hamburg



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