Ich erinnere das nicht Post an den Zwiebelfisch

Lieber Zwiebelfisch, deine Beiträge sind absolut trendy! Einmal mehr hast du einen guten Job gemacht! Ich habe erst jetzt realisiert, wie viel Sinn deine Kolumne macht, das hast du gut kommuniziert! Lesen Sie hier eine Auswahl der Leserreaktionen auf den Artikel über unsichtbare Amerikanismen.



Bravo! Endlich spricht mal einer aus, was vielen überhaupt nicht mehr bewusst ist! Ich finde es langsam abenteuerlich, wie wir selbst unsere deutsche Sprache mit Gewalt verunstalten.

Ich kenne viele Kollegen aus unterschiedlichen Ländern, Spanier, Franzosen, Italiener, Chinesen. Denen ist diese massive Einbettung der englischen Fragmente in Ihre eigene Sprache unbekannt und was da im Deutschen passiert unbegreiflich.

Reimund Haimerl, München


Hallo! Ich (42 Jahre alt) bin in Deutschland aufgewachsen und vor zehn Jahren nach Nordamerika ausgewandert. Es ist manchmal erschreckend, den Zwiebelfisch zu lesen - ich verliere mein Deutsch! Redewendungen wie "Das macht Sinn" sind so selbstverständlich für mich geworden. Ohne den Zwiebelfisch hätte ich noch nicht einmal bemerkt, dass es auch noch eine "deutschere" Version gibt. Danke aus Miami!

Christiane Musgrove


Lieber Herr Sick, interessanter Artikel! Nur würde ich mich über die Evolution von Sprache nicht so ärgern, sondern diese eher mit Neugier und Interesse verfolgen. Ich persönlich bewundere ganz grundsätzlich die Fähigkeit zur Wandlung und finde es richtig aufregend, was für Einflüsse auf Sprache wirken!

Kai Vermehr

Antwort vom Zwiebelfisch: Lieber Herr Vermehr, von ärgern kann keine Rede sein. Wer mich für einen humorlosen, verbohrten Rechthaber und Erbsenzähler hält, der die deutsche Sprache am liebsten einfrieren würde, der muss einen anderen Bastian Sick meinen ... Ich versuche allenfalls, das Bewusstsein für unsere Sprache zu schärfen, denn es kann nicht schaden zu wissen, woher die Formulierungen, die wir verwenden, stammen und was sie genau bedeuten.


Lieber Zwiebelfisch, unter den Amerikanismen ist neuerdings besonders das "Runterbrechen" beliebt. Was früher allenfalls unfreiwillig stattfand, wenn einem etwa auf dem Turm von Pisa schlecht wurde, gilt nun als erwünscht, weil es im Sinne von "elementarisieren" verstanden wird (etwas wird auf eine bestimmte Verständnisebene "heruntergebrochen"). Auch hier handelt es sich wohl um eine direkte Übernahme des englischen "to break down to" (im transitiven Sinne). Im Englischen ist damit soviel wie "analysieren" gemeint, eine Tätigkeit, die auch gegenüber der eigenen Sprache noch viel ausgiebiger ausgeübt werden sollte.

Claus-Dieter Osthövener, Wuppertal


Kein Leserbrief, aber ein sehr passendes Motto: "Wenn ein Dutzend deutscher Korrespondenten in Washington die deutsche Sprache zum schlechteren verändert hat - warum sollten die 30.000 Journalisten der Bundesrepublik nicht imstande sein, sie zum besseren zu verändern?"

Wolf Schneider, Sprachkritiker und Stilmeister

gefunden auf www.vds-ev.de


In letzter Zeit höre ich auch sehr häufig den Ausdruck "Wir wollen einfach nur eine gute Zeit haben" oder "Ich hatte eine gute Zeit" (von "I had a good time"). Passt meiner Meinung auch "nicht wirklich" in die Sprache.

Christian Rousselle


Mir ist die Formulierung "ich erinnere etwas" bei so manchen Mitmenschen auch schon sauer aufgestoßen. Vor etwa zwei Jahren allerdings las ich "Die Buddenbrooks" und bin dort auf genau die gleiche Formulierung gestoßen. Ich erinnere mich genau, weil ich es meiner Frau zeigte, denn wir hatten kurz zuvor über "Ich erinnere das" gesprochen.

Die genaue Stelle weiß ich nicht mehr. Sie schreiben ja, dass die Formulierung in Norddeutschland existiert. Von dort mag sie Eingang in die Buddenbrooks gefunden haben. Denn ich glaube nicht, dass Thomas Mann ein Anglizismen-Verherrlicher gewesen ist.

Andreas Haardt


Wir spielen gerade an der TU Braunschweig das Stück "Die Juden" von Lessing. Interessanterweise lässt Lessing im zweiten Auftritt seinen Martin Krumm sagen "Unser Herr Pfarrer erinnerte das sehr weislich, in der letzten Predigt." Also keineswegs ein Phänomen unserer Zeit?

Sebastian Rosemann, Braunschweig


Lieber Zwiebelfisch, in Ihrem Artikel erwähnten Sie als Beispiel auch die Formulierung "jdn. zurückrufen" und boten als Alternative die Verwendung der Formulierung "wieder anrufen" an. Dem möchte ich widersprechen. Die Ankündigung "jemanden zurückzurufen" bedeutet, dass diese Person den Sprecher zuvor angerufen hat oder anrufen wird, dieses Gespräch beendet wurde und das nächste Mal der Sprecher die Telefongebühren übernimmt und anruft. Demgegenüber bedeutet "wieder anrufen" lediglich, dass ein weiteres Telefongespräch statt finden wird und impliziert sogar, dass der Sprecher nicht nur nächstes Mal, sondern auch die vergangenen Male der Anrufende war. Dieser Bedeutungsunterschied rechtfertigt in meinen Augen jedenfalls die Verwendung des Verbes "jdn. zurückrufen".

Name ist der Redaktion bekannt


Amerikanismen? Amerikanisch? - Doch wohl eher 'Anglizismen' und 'englisch'; ich gehe doch stark davon aus, dass die erwähnten Strukturen aus dem Englischen (als korrekter Überbegriff für das britische und amerikanische Englisch) kommen.

Rebekka Mösenfechtel, Kiel

Antwort vom Zwiebelfisch: Liebe Frau Mösenfechtel, die Sprachwissenschaft hat schon vor Jahrzehnten den Fachbegriff "Amerikanismen" eingeführt, um Lehnwörter aus dem amerikanischen Englisch von solchen aus dem britischen Englisch unterscheiden zu können.


Auf diesen Artikel warte ich schon seit ungefähr 25 Jahren. Damals fiel mir auf, dass es das erste Mal in der Tagesschau benutzt wurde, dann im SPIEGEL und nur wenig später über meine damalige Liebste Claudia von Hamburg ausgehend letztlich über ganz Norddeutschland verbreitet wurde. Ich glaube, die meisten fanden das "ich erinnere das" einfach chic.

Aus irgendwelchem Gründen war ich damals in meiner Halbbildung überzeugt, es handele sich dabei um ein transitives Verb und war der Meinung, dass das Englische so etwas nicht kennen würde. Dies hatte ich dann unwidersprochen jahrelang verbreitet. Und erst heute - dank Ihres Artikles - konnte ich mich da korrigieren.

Ich finde "Ich erinnere mich" einfach schöner, lebendiger als "Ich erinnere das", obwohl ich mich Jahr für Jahr schlechter erinnern kann.

Stefan Eichardt, Hannover


Herzlichen Glückwunsch! Ich erinnere keine Kolumne, die mir so aus dem Herzen gesprochen hätte wie diese. Sie sollte für alle Moderatoren und sonstige TV-Größen, allen Schülern und Studenten als Pflichtlektüre an die Hand gegeben werden. Als Bruder einer weit herumgekommenen Schwester, die auch ständig etwas erinnert, kann ich nur "danke" sagen und nochmals "danke"!

Bruno Nicklaus


Leider greift die Amerikanismen-Wut gerade bei SPIEGEL ONLINE besonders stark um sich. Anfangs dachte ich noch, dies läge vielleicht daran, dass die SPIEGEL-ONLINE-Autoren zu viele englische Texte lesen müssen. Nun aber habe ich eine ganz andere Theorie: SPIEGEL-ONLINE-Autoren können überhaupt kein Englisch! Die Begründung ist denkbar einfach: Wenn z.B. ein Artikel über mögliche Anschlagziele in Großbritannien erscheint, nennt der Autor die Pendlerzüge nicht Pendlerzüge, sondern "Commuter-Züge". Die häufig angeführte Begründung für die Verwendung von Anglizismen, die Kürze des englischen Worts, greift hier ebensowenig wie die weite Verbreitung des Begriffs. Offensichtlich hat der Autor einen englischen Quelltext zu dem Thema gelesen und kann mit dem Begriff "Commuter" nichts anfangen, hält das vielleicht für eine britische Marke oder besonders bequeme Züge. Und weil der Autor dann auch noch zu faul war, im Langenscheidt nachzuschlagen, wurde "commuter" einfach so verwendet, wie es in der englischen Vorlage stand.

Das kann ja mal passieren, bei SPIEGEL ONLINE aber viel zu häufig. Selbst Themen, die gar nichts mit Großbritannien zu tun haben, werden so verwurstet: "Angela Merkels U-Turn"

Aber ich möchte konstruktiv bleiben und schlage daher vor, die gesammelten Zwiebelfisch-Werke zur Pflichtlektüre für alle Redakteure zu erklären.

Frank Behr, Malta

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