Post an den Zwiebelfisch Hier werden Sie geholfen!

Lesen Sie hier eine Auswahl der Leserzuschriften zum Zwiebelfisch-Artikel über das Verwirrspiel von Dativ und Akkusativ und was sonst noch so alles schiefgehen kann im Falle eines Falles.


"Schreib dat ma bei misch auf!"
DPA

"Schreib dat ma bei misch auf!"

Sehr geehrter Herr Sick, ein paar Ergänzungen zu Ihrem Artikel:

1. Meiner Meinung nach benutzt Frau Feldbusch einen Anglizismus: you will be helped (ob's auch ein Bolivianismus ist - da kommt sie schließlich her -, weiß ich nicht).
2. "Das liegt an den Apparat" - zu den Regionalismen gehört auch, dass im Plattdeutschen nicht zwischen Dativ und Akkusativ unterschieden wird ("lot mi an Land!") und im Missingsch, dem norddeutschen Hochdeutsch, folglich auch nicht. Nördlich der Benrather Linie, die einmal das Nieder- vom Hochdeutschen trennte, (und daher auch in Aachen) sollte die Dativ-Akkusativ-Vermischung also erlaubt sein.
3. Auch wenn Volkstümlichkeit vielleicht nicht gerade Stoibers Markenzeichen ist: Wenn er "den" Ausländern Deutsch "lernen" will, folgt er bayerischer Sitte.

Ein anderes interessantes Beispiel: "Ich versichere Ihnen, dass es so ist" dürfte heute Standard sein. Zu Goethes Zeiten (und noch deutlich später) sagte man noch: "Ich versichere Sie, dass..." Der Duden (meiner von 1991) empfiehlt zwar "Ich versichere dir, dass...", kennt aber immerhin "ich versichere dich meines Vertrauens" (und findet das "gehoben").

Professor Jörn Scheer, Hamburg


Steht der Düsseldorfer in der Altstadt an einem randvollen Tisch. Kütt der Köbes und stellt jedem ein Alt hin. Säät der großzügige Einheimische: "Schreib dat ma bei misch auf!" Darauf der korrekte Fremde: "Aber das heißt doch: bei mir!" Darauf der Düsseldorfer: "Wenn de meinz..."

Klaus-Dieter Bätz, Coburg


Lieber Zwiebelfisch, eine gebräuchliche Redensart gibt es im Siegerland. Dort sagt man nicht "Daran hast du selbst Schuld", sondern: "Das bist du selber in Schuld." Man legt seine schmutzige Kleidung auch nicht "zur Wäsche" oder "in die Wäsche", sondern "tut sie bei die Wäsche". Und die Bezeichnung für morgen früh ist "morn de Morje", also "morgen den Morgen".

Jens Breitenbach


Lieber Herr Sick, eine kurze Lanze würde ich gerne brechen für den zitierten Kölner (und mit ihm viele andere Dialektsprecher beispielsweise des Moselfränkischen): Dort wird das Neutrum "mensch, mit verächtlichem nebentone, wie weibsbild, weibsstück" (so das Grimm'sche Wörterbuch) für weibliche Wesen verwendet, weswegen Nominativ und Akkusativ "dat" sowie natürlich Dativ "dem" zweifellos korrekt sind. Und das mit dem dativizierten Genitiv hat der Kölner ja auch nicht allein auf dem Kerbholz. Die kölsche Zweigangsprachautomatik funktioniert dagegen wie geschmiert beim maskulinen Pendant: "Isch han dem Mensch jesaat: "Däh Mensch is dem Mensch sein schlimmsten Feind!" und seitdem han isch däh Mensch nimmer jeseehn!"

Clemens Fachinger


Sehr geehrter Herr Sick, man kann bekanntlich auf etwas stehen, beispielsweise mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen. Dativ. "Ich stehe auf Erbsen" kann man auch sagen, und da beginnt das Dilemma. Wenn sie mir unter den Füßen wegrollen, dann waren es sicher Erbsen im Dativ. Aber wie ist es, wenn ich sie gern esse? Stehe ich dann auf grünen Dativerbsen oder auf grüne Akkusativerbsen? Muss man die immer häufiger zu beobachtende Erscheinung, dass jemand seine Füße im Akkusativ auf etwas setzt, als moderne Umgangssprache hinnehmen oder ist sie eine grammatische Entgleisung? Handle ich grammatisch korrekt, wenn ich meiner Frau sage, dass ich auf sie stehe? Natürlich könnte ich auch eine Formulierung wählen, bei der meine Füße aus dem Spiel blieben, aber ich möchte dem Problem nicht feige aus dem Weg gehen. Bitte, sagen Sie mir Ihre Meinung. Ich bestehe darauf.

Alfred Pocher


Lieber Herr Sick, wer schon sein Geld damit verdient, sich über die Sprech- und Schreibgewohnheiten anderer Menschen zu mokieren, der sollte doch wenigsten wissen, was da nun eigentlich davonschwimmt, die Fälle oder die Felle.

Gernot Geurtzen, München

Antwort des Zwiebelfischs: Sehr geehrter Herr Geurtzen. Sie dürfen davon ausgehen, dass mir die korrekte Schreibweise der von mir benutzten Redewendungen bekannt ist. Wenn ich in einer Geschichte, in der es um schwankenden Gebrauch von Dativ und Akkusativ geht, also um Fälle der deutschen Grammatik, aus den sprichtwörtlichen "davonschwimmenden Fellen" davonschwimmende Fälle mache, so handelt es sich selbstverständlich um einen Wortwitz.


Hallo Herr Sick, bislang war ich nur stiller Genießer Ihrer schönen Rubrik. Zum Thema "Hier werden Sie geholfen" möchte ich aber meinen Lieblingswitz beitragen:

Der NRW-Wirtschaftsminister besichtigt eine Kohlengrube im Ruhrgebiet. Als er im modernen Abbau die guten alten Loren vermisst, greift der Steiger zum Grubentelefon und ruft hinein: "Jungs, kommt mal mit die Wagens!" Die Dinger rollen heran, der Politiker ist beeindruckt. Später in der Waschkaue nimmt er den Bergmann aber zur Seite und meint: "Sagen Sie, guter Mann, Steiger ist doch eine leitende Stellung. Da muss man doch richtiges Deutsch sprechen..." Darauf der Steiger: "Klar, Herr Minister, aber wenn ich sage 'kommt mal mit den Wagen' - dann bringen die Kumpel mir nur einen einzigen!"

Beste Grüße und weiter viel Erfolg bei der Sprachpflege!

Hans Jürgen Below

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zwiebelfisch@bastiansick.de

Anschrift für Postsendungen:

Bastian Sick
Am Sandtorkai 56
20457 Hamburg

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