Zwiebelfisch-Abc postum/posthum


A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M
N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z


Postum: Friedhofserde nachträglich beigemischt
DPA

Postum: Friedhofserde nachträglich beigemischt

Dies dürfte manchen Wortklauber überraschen: postum und posthum bedeuten tatsächlich dasselbe! Und zwar "nach jemandes Tod erfolgt" (zum Beispiel eine Auszeichnung) oder "nach jemandes Tod erschienen, nachgelassen". Dass nur "posthum" dies bedeutete, während "postum" mit "nachträglich" gleichzusetzen sei, ist ein Missverständnis.

Die Form ohne "h" ist die ältere. Sie wurde im 18. Jahrhundert aus dem lateinischen Wort postumus abgeleitet, welches "zuletzt geboren, nach dem Tod des Vaters geboren" bedeutet. Im Erbrecht gibt es den Begriff des Postumus, das ist der Spät- oder Nachgeborene.

Die Form mit "h" ist eine Nebenform, die sich volksetymologisch an das lateinische Wort humus (= Erde) und das davon abgeleitete humare (= beerdigen; daher: exhumieren = wiederausgraben) anlehnt. Weil man durch Verknüpfung mit "Humus" den Friedhofsgeruch förmlich riechen und sich somit die Bedeutung des Wortes postum besser merken konnte, schrieb man es vorzugsweise mit "h". Diese volkstümliche Variante hat sich durchgesetzt und die lateinische Form stark zurückgedrängt.

Wer heute postum statt posthum schreibt, der begeht aber keinen Fehler. Denn der Friedhofshumus ist dem Wort erst nachträglich beigemischt worden, die "reine" Form kommt ohne "h" aus und wird auch ganz normal auf der ersten Silbe betont: Postum - wie Punktum.



© SPIEGEL ONLINE
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.