Abschlüsse in Österreich Sehr geehrter Herr Bachelor

Sich in Österreich in Nullkommanichts unbeliebt machen - das ging bisher so: Einfach bei Anreden das "Herr Magister" weglassen. Schon ärgert sich ein titelversessener Mensch. Doch besteht er auch darauf, dass man seinen Bachelor-Abschluss erwähnt?


Der Beginn des vergangenen Wintersemesters markierte eine Zäsur im titelversessenen Österreich: In mehr als der Hälfte aller Studienrichtungen vergeben die Universitäten des Alpenlandes inzwischen den Bachelor als ersten akademischen Abschluss. Bei den Fachhochschulen sind es sogar schon 90 Prozent. Was die Rektorenkonferenz als Meilenstein feierte, ist für Nostalgiker bitter: Sie fürchten ein schleichendes Artensterben bei den Graden, mit denen sich Akademiker bislang schmücken durften. So war es bislang üblich, alle Absolventen von Diplomstudien mit "Herr Magister" oder "Frau Magistra" anzusprechen.

Die neuen Grade wie "Bachelor of Arts" (BA) oder "Bachelor of Science" (BSc) sollen dagegen als Abkürzungen hinter dem Nachnamen geführt werden - für Österreich ein absolutes Novum. Wer gestern die "Frau Magister" noch mit Handkuss begrüßte, dem ist der "Herr Mayerhofer, BA" im besten Fall suspekt. Inzwischen wieder einkassiert ist eine Zwischenform, die Titel-Adepten den Übergang zum angelsächsischen System erleichtern sollte. Bis vor kurzem hieß es etwas sperrig, dafür aber artig nach Geschlechtern getrennt: "Bakkalaureus" oder "Bakkalaurea".

Von der Wirtschaft wird der angelsächsische Abschluss indes gut angenommen. In einer Umfrage der Wirtschaftskammer gaben mehr als 30 Prozent der Unternehmer an, künftig mehr Akademiker anstellen zu wollen. Nur die Personalabteilungen haben sich noch nicht an die Umstellung gewöhnt. Bewerber berichten von einer neuen gängigen Anrede in Briefen: "Sehr geehrter Herr Bachelor!"

© UniSPIEGEL 6/2007
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