Der SPIEGEL

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16. Mai 2011, 09:37 Uhr

Hochschulrankings

"Untauglicher denn je"

Die Hochschule Merseburg kam bei Rankings stets gut weg - und steigt trotzdem aus dem Ranglistensystem aus. Professor Wolfgang Berg, Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit, warnt Abiturienten davor, bei der Hochschulwahl auf die Listen zu starren.

UniSPIEGEL: Ihr Fachbereich will nicht mehr beim Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) mitmachen. Dabei haben Sie bisher immer gut abgeschnitten. Haben Sie Angst, dieses Mal schlecht bewertet zu werden?

Wolfgang Berg: Überhaupt nicht, wir halten das Ranking mit Blick auf die aktuelle hochschulpolitische Landschaft nur für untauglicher denn je.

UniSPIEGEL: Warum? Es basiert doch nach wie vor auf den Bewertungen Tausender Studenten.

Berg: Ja, aber das sind doch Stimmungsbilder, abhängig von individuellen Erwartungen und Ansprüchen. Es ist zum Beispiel anzunehmen, dass Studierende, die Studiengebühren entrichten müssen, wie beispielsweise noch in Hamburg oder Baden-Württemberg, die Bedingungen an ihrer Uni kritischer sehen als die, die umsonst studieren dürfen wie hier bei uns in Sachsen-Anhalt. Wer zahlen muss, reagiert auf überfüllte Lehrveranstaltungen wahrscheinlich ungehaltener.

UniSPIEGEL: Andererseits haben Unis, die mit Studiengebühren hantieren, die Möglichkeit, ihre Studenten zu beschenken. Könnte deren Dankbarkeit nicht auch zu positiven Bewertungen führen?

Berg: Doch, absolut! Manche Unis wissen dank der Studiengebühren gar nicht mehr, wohin mit dem Geld, und haben den Studenten etwa Laptops finanziert. Wir sind uns sicher, dass auch so etwas eine Beurteilung beeinflussen kann - und schon ist sie fachlich nicht mehr angemessen.

UniSPIEGEL: Und nun - gar kein Ranking mehr?

Berg: Methodisch ist es immer falsch, Einschätzungen einer Gruppe A zu B mit dem Urteil der Gruppe C zu D zu vergleichen. Man kann daraus nicht ableiten, ob B oder D besser ist. Übrigens schon gar nicht, wenn die Urteile mehrere Jahre alt sind. Befragungen von Oktober 2010 werden vom CHE ja noch bis 2013 veröffentlicht - auch wenn in dieser Zeit Studiengebühren eingeführt oder abgeschafft, Curricula verändert oder Labore eröffnet wurden.

UniSPIEGEL: Nach welchen Kriterien sollen Abiturienten ihre Wahl denn treffen?

Berg: Studierende sollten ihre Wunsch-Unis genau angucken und sich fragen, was ihnen besonders wichtig ist: zum Beispiel Praxisbezug, Tutorien, Internationalität, aber auch solche Dinge wie Heimatnähe oder Stadtgröße. Ich traue allen Abiturienten zu, auch ohne Rankings eine kluge Wahl zu treffen.

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