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Absolventen auf Jobsuche In der Not hilft das A-Team

Agentur für Arbeit? Davon versprechen sich junge Akademiker oft nichts und scheuen den Behördengang kurz vor oder nach dem Studienabschluss. Dennoch kann ein Besuch sich lohnen - für die Jobsuche und wegen finanzieller Hilfen, die viele gar nicht kennen.
Von Kerstin Schulz
Viele junge Akademiker scheuen den Behördengang, doch der kann sich lohnen

Viele junge Akademiker scheuen den Behördengang, doch der kann sich lohnen

Foto: ddp

Keinen ganzen Tag nach ihrer mündlichen Abschlussprüfung hatte Julia G., 27, noch Hoffnung, genau den Job zu finden, den sie seit Beginn ihres Studiums anstrebte. Acht Semester hatte sie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin studiert, Restaurierung und Konservierung, hinzu kam ein einjähriges Praktikum.

Am anderen Morgen ging sie zum Jobcenter Berlin-Pankow. Die Vermittlerin nahm Julias Profil auf, wühlte in der Jobbörse - nichts. Erst schwand die Hoffnung, dann verschwand sie, als die Vermittlerin fragte: "Und, können sie sonst noch was?" Der Besuch war ernüchternd. Gelohnt hat er sich für Julia trotzdem.

Beratung, Weiterqualifizierung, finanzielle Unterstützung - über das Angebot der Arbeitsagenturen und Jobcenter sind Studenten kaum informiert. Viele versprechen sich schlicht nichts davon. Andere schaffen einen Besuch einfach nicht, weil sie den Kopf dafür nicht frei haben, weiß auch Ingrid Arbeitlang, Beraterin des Hochschulteams Berlin Süd.

Dabei zwicken junge Akademiker oft große Sorgen, teils existenzielle Ängste. Davon könnten einige Hilfeleistungen sie davon befreien - ein kleiner Absolventen-Leitfaden für den Besuch beim A-Team:

  • Individuelle Beratung und Weiterqualifizierung

Der erste Schritt ist das Beratungsgespräch. Besonders in größeren Städten gibt es an den Universitäten Hochschulteams, eine Initiative der Agenturen für Arbeit. Nicht selten arbeiten sie eng mit den Karrierezentren der Hochschulen zusammen. Neben der Beratung bieten die Hochschulteams eine Vielzahl an Informationsveranstaltungen, Seminaren und Firmenbesuchen an. Soziale Kompetenzen, Zeit- und Projektmanagement werden hier geschult, manchmal gegen einen Teilnehmerbetrag von rund zehn Euro.

Aber: Nicht an jeder Universität ist die Arbeitsagentur durch ein Hochschulteam vertreten. In diesem Fall wendet man sich entweder ans Hochschulteam einer benachbarten Universität oder direkt an einen Berater der örtlichen Arbeitsagentur. Ingrid Arbeitlang empfiehlt, sich bereits während des letzten Hochschulsemesters zu melden.

  • Arbeitslosengeld I und II

Während des Gespräches sollte geklärt werden, ob nach der Exmatrikulation Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht. Die Gesetzgebung unterscheidet zwischen Arbeitslosengeld I (ALG I) und Arbeitslosengeld II (ALG II). Arbeitslosengeld I erhalten Absolventen, die in den letzten 24 Monaten mindestens zwölf Monate eine sozialversicherungspflichtige Arbeit hatten und dabei in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Erfahrungsgemäß seien das nur sehr wenige, betont Ingrid Arbeitlang.

Die meisten Absolventen beziehen Arbeitslosengeld II. Anspruch darauf haben alle, die bedürftig sind. Was das heißt, ist klar definiert: "Bedürftig ist der, der kein Einkommen und kein Erspartes hat und weder bei seinen Eltern noch bei seinem Lebenspartner lebt und durch das Zusammenleben unterstützt wird", erklärt die Berliner Beraterin.

Den Antrag auf Arbeitslosengeld II sollte man rund sechs Wochen vor dem Hochschulabschluss im Jobcenter stellen, denn die Bearbeitungszeit beträgt vier bis sechs Wochen. Wer sich erst nach dem Uni-Abschied meldet, bekommt das Geld erst ab dem Datum der Antragstellung - rückwirkend gezahlt wird nicht. Wichtig: Für das Arbeitslosengeld I sind die Agenturen für Arbeit zuständig. Hier sollten sich Studenten spätestens drei Monate vor der Exmatrikulation arbeitssuchend melden, damit es keine Abzüge gibt.

  • Bewerbungsmappen, Fahrt- und Umzugskosten

Darüber hinaus erhalten viele Absolventen finanzielle Unterstützung bei der Bewerbung. Auch Julia schrieb Bewerbungen, reiste quer durch die Republik zu potentiellen Arbeitgebern. Das alles wäre für sie ohne Unterstützung vom Jobcenter finanziell schwer machbar gewesen.

Neben einem Zuschuss für Bewerbungsmappen werden oft Fahrtkostenzuschüsse gezahlt, außerdem eine Trennungskostenbeihilfe und Umzugskosten, falls der Absolvent für seinen Job den Wohnort wechseln muss. Selbst Autokauf oder Führerscheinerwerb können gefördert werden, sofern die Arbeitsstelle nicht mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen ist. Auch bei der Existenzgründung hilft das Jobcenter in vielen Fällen.

"Wir sind keine Begabtenförderung"

Ingrid Arbeitlang betont jedoch, es gebe "keinen Automatismus, keinen Rechtsanspruch. Es sind Einzelfallentscheidungen, die im Vorfeld geklärt werden müssen. Sie hängen vom Ausbildungsprofil des Studenten, vom Arbeitsmarkt und der Einschätzung des Vermittlers ab." Grundsätzlich gilt: Wer Hilfeleistungen in Anspruch nimmt, muss dem Arbeitsmarkt auch zur Verfügung stehen. "Wir sind keine Begabtenförderung, verteilen keine Promotionsstipendien", so Arbeitlang. "Nur mit der festen Absicht, in den Arbeitsmarkt integriert zu werden, darf man Leistungen beziehen." Festgezurrt wird das in der Eingliederungsvereinbarung.

Dass es immer wieder zu Interessenkonflikten kommt und der Bürokratieaufwand hoch ist, hält viele Absolventen von Jobcentern und Arbeitsagenturen fern. Auch Stephanie L., 26. Sie studierte in Chemnitz, Bath und Madrid, als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Sie absolvierte Praktika bei der Europäischen Kommission, der Deutschen Botschaft und in großen Unternehmen - eine Musterstudentin auf Jobsuche.

Gleich nach ihrem Studienabschluss in European Studies ging Stephanie zum Jobcenter in Dinkelsbühl; in der Nähe ist sie aufgewachsen. "Die haben mir ganz klar gesagt, dass sie auf mich nicht vorbereitet sind und ich mich an eine größere Arbeitsagentur wenden solle."

Nicht nur bei der Jobvermittlung, selbst beim Erfassen ihres Profils in der Jobbörse fühlte sich Stephanie unverstanden. "Ich musste mich zwischen Politik, Wirtschaft, Geschichte und Soziologie entscheiden, dabei habe ich etwas Interdisziplinäres studiert", erinnert sie sich. Sie entschied sich für Politik - kein einziges Angebot konnte ihr die Agentur unterbreiten. Nach sechs Wochen meldete sich Stephanie wieder ab, genervt vom bürokratischen Aufwand.

Ingrid Arbeitlang erklärt, dass die Jobbörsen nach Arbeitsplatzprofilen strukturiert sind, nicht nach Abschlüssen: "Wo will jemand landen? Das ist die wichtigste Frage bei der Suche in der Jobbörse. Daher finden sich weder Philosophie noch European Studies in unserer Datenbank."

Stephanie suchte auf eigene Faust weiter, Julia suchte Unterstützung beim Arbeitsamt. Mittlerweile haben beide einen Job, Stephanie in Vollzeit, Julia in Teilzeit. Beide mussten dafür den Wohnort wechseln - die Umzugskosten erstattet bekam aber nur eine.

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