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27. Juni 2008, 16:02 Uhr

Absolventen bei Bosch

"Jeder Gute kann bei uns Karriere machen"

Von Karsten Langer

In Umfragen nennen junge Akademiker oft Bosch als einen der beliebtesten Arbeitgeber. Jetzt startet die Firma das "PreMaster-Programm". Im Interview erklärt Arbeitsdirektor Wolfgang Malchow, wie Talenten mit Bachelor-Abschluss der Aufstieg im Konzern gelingt.

Frage: Macht sich der Krieg um Hochschulabsolventen auch bei Bosch bemerkbar?

Wolfgang Malchow: Auch wir merken, dass der Arbeitskräftemarkt enger wird. Deswegen reagieren wir auf die veränderte Situation.

Frage: Wie genau?

Malchow: Im Zuge der Umstellung an den Hochschulen auf Bachelor- und Master-Studiengänge haben wir zum Beispiel ein individuell auf Bachelor-Absolventen zugeschnittenes PreMaster Programm aufgelegt. Wenn jemand seinen Bachelor-Abschluss hat, kann er bis zu einem Jahr bei Bosch wichtige Praxiserfahrung sammeln, übernimmt Tages- und Projektaufgaben und besucht parallel dazu Fachseminare. Außerdem gibt es einen Mentor, der die persönliche Entwicklung unterstützt. Anschließend gehen die Teilnehmer ins Master-Studium. Dabei halten sie aber Kontakt zum Unternehmen und können weiter dort arbeiten. Sie haben die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeit hier zu schreiben und, falls gewollt, ihre Promotion anzuschließen.

Frage: Wieso glauben Sie, dass ein solches Programm bei Absolventen ankommt?

Malchow: Wir haben das durch eine Untersuchung unter Studenten getestet und sehr positive Rückmeldungen bekommen. Ergebnis einer Marktforschungsstudie war, dass sich Bachelor-Studenten mehr Praxis wünschen. Das Programm schnürt Erst- und Aufbaustudium sowie praktische Berufserfahrung zu einem Bildungspaket zusammen. Wir sind das erste deutsche Industrieunternehmen, das Theorie und Praxis in dieser Form verbindet, und ich verspreche mir einiges davon.

Frage: Haben Sie auch gefragt, was sich die Studenten am meisten wünschen?

Malchow: An erster Stelle stand nicht die Vergütung von 1900 Euro im Monat, sondern die persönliche Betreuung durch einen Mentor. Die Studenten haben sich eine Person gewünscht, die sie in dieser Zeit individuell berät und fördert. Und das haben wir berücksichtigt.

Frage: Können Sie denn auf all die Mitarbeiter verzichten, die dann Mentor sind?

Malchow: Der Mentor ist ja nicht freigestellt für diese Zeit. Das sind zum Beispiel Führungskräfte in einer Entwicklungsabteilung. Die Kollegen machen dies parallel zu ihrer normalen Tätigkeit.

Frage: Und da hat keiner Angst, das er von einem Jüngeren aus der Position verdrängt wird?

Malchow: Nein, das Problem haben wir nicht. Wir wachsen sehr stark. Deswegen haben talentierte Leute mit Potenzial bei uns große Chancen weiterzukommen. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren 80.000 Mitarbeiter zusätzlich aufgebaut, davon allein in Deutschland 20.000. Für jeden, der gut ist, gibt es bei Bosch eine Möglichkeit, Karriere zu machen.

Frage: Wie viele Absolventen haben die Möglichkeit, am PreMaster Programm teilzunehmen?

Malchow: Wir fangen zunächst mit 50 besonders hoch qualifizierten Personen an und warten, welchen Erfolg wir haben. Für uns ist das erstmal ein Test, mit dem wir in den Markt gehen. Wenn die Resonanz gut ist, werden wir die Zahl aufstocken. Wir haben in den vergangenen Jahren zwischen 1500 und 2000 Hochschulabsolventen eingestellt. Sie sehen: Wir brauchen Leute mit Bachelor- und Master-Abschluss.

Frage: Welche Bedingungen müssen Interessenten erfüllen?

Malchow: Sie brauchen einen überdurchschnittlichen Abschluss, Zielstrebigkeit, Innovationsstärke, Teamgeist und sollten durch sonstige Aktivitäten während des Bachelor-Studiums gezeigt haben, dass sie sich von der Masse abheben. Das können Sprachkenntnisse, Auslandssemester oder andere Aktivitäten sein, die dokumentieren, dass der Bewerber Initiative und Kreativität an den Tag legt.

Frage: Gibt es ein Höchstalter?

Malchow: Nein, und auch keine Quotierung in Frauen und Männer. Aber ich würde mir wünschen, dass wir insbesondere auf der technischen Seite viele Studentinnen gewinnen können. Wir möchten explizit mehr Frauen für die Ingenieursberufe begeistern.

Frage: An welche Fachrichtungen wendet sich Ihr Pogramm?

Bosch-Mitarbeiter (beim Bohrmaschinen-Test): "Wir haben feste Kriterien für angehende Führungskräfte"
DPA

Bosch-Mitarbeiter (beim Bohrmaschinen-Test): "Wir haben feste Kriterien für angehende Führungskräfte"

Malchow: Einerseits an Ingenieure, Naturwissenschaftler und Informatiker einerseits, und auf der wirtschaftswissenschaftlichen Seite suchen wir im Moment Absolventen mit dem Schwerpunkt Marketing.

Frage: Bosch meldet 3300 Patente im Jahr an. Haben die PreMaster-Teilnehmer die Freiheit zu forschen?

Malchow: Sicher, abhängig von dem Bereich, in dem sie nach dem Studienabschluss eingesetzt werden. Bei Bosch haben auch schon Auszubildende Erfindungen zum Patent angemeldet. Den Weg von der Idee bis hin zum patentierten Produkt nennen wir bei Bosch Innovationsprozess. Ganz am Anfang werden Strategien abgeleitet, in welchen Bereichen Innovationen erreicht werden sollen. In der darauf folgenden Ideenfindungsphase wird mit Brainstorming und anderen Methoden gearbeitet. Da wird sehr frei überlegt, was es für neue Trends und Themen gibt. Dieser Prozess wird immer konkreter, bis am Ende ein Produkt entsteht.

Frage: Wie werden Aufstiegswillige weiter gefördert?

Malchow: Wir haben ein Instrument, das wir "Mitarbeiter-Entwicklungsdurchsprache" nennen, wo Personalbereich und die jeweiligen Vorgesetzten ganz systematisch über begabte Leute sprechen. Das geht bis zur Geschäftsführung hinauf. Dort wird namentlich über alle wichtigen Leute geredet, die wir fördern wollen und darüber, wie wir das machen.

Frage: Nach welchen Kriterien wählen Sie potenzielle Führungskräfte aus?

Malchow: Wir haben feste Kriterien, die angehende Führungskräfte erfüllen müssen. Dazu gehört unter anderem der Auslandsaufenthalt, die Arbeit in einer anderen Funktion als in der Heimdisziplin, die Arbeit in unterschiedlichen Unternehmensbereichen und Projekt- und Führungserfahrung. Wenn wir bei der Geschäftsführungssitzung über Personalien sprechen, dann reden wir konkret darüber, wer welche Stelle besetzen könnte. Zu jedem Kandidaten gibt es neben dem Namen Kästchen, wo dokumentiert ist, ob die Kriterien erfüllt werden oder nicht. Dann geht es schon darum, dass das Kreuz an der richtigen Stelle ist.

Das Interview führte Karsten Langer, manager-magazin.de

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