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Ärzteschwund "Die Besten gehen nach Amerika"

In deutschen Krankenhäusern grassiert der Ärztemangel - immer mehr Stellen bleiben frei. Angehende Mediziner können beim Berufsstart inzwischen wählerisch sein, doch den Standesvertretern bereitet der Aderlass Kopfzerbrechen.

Etwa jeder fünfte Medizinstudent lässt den Abschluss sausen, und die besten jungen Ärzte wandern ins Ausland ab, vor allem in die USA. Das beklagt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Ärztemangel in Deutschland drohe nicht, sondern sei längst Wirklichkeit, sagte der Vorsitzende Jürgen Meyer am Mittwoch kurz vor Beginn eines Internistenkongresses in Wiesbaden.

Für Abiturienten gilt die medizinische Ausbildung offenbar nicht mehr als besonders reizvoll. Neben dem "langen und arbeitsintensiven Medizinstudium" sehen die Internisten auch die unsicheren Berufsperspektiven als Grund für den Ärzteschwund. Durch Einschränkungen der Niederlassungsfreiheit gebe es kaum noch Möglichkeiten, sich mit einer eigenen Praxis selbständig zu machen. Zudem seien die Zeiten blendender Verdienstmöglichkeiten längst passé, betonte DGIM-Generalsekretär Hans-Peter Schuster.

Bessere Forschungsbedingungen im Ausland

Nach Auffassung von Schuster erlebt Deutschland in der Medizin offenbar einen ähnlichen Aderlass wie in anderen wissenschaftlichen Arbeitsfeldern: Die USA böten jungen Top-Medizinern weitaus bessere Arbeitsbedingungen. Dort könnten sie viel unbelasteter von täglichen Routineaufgaben ihren Interessen in der Forschung folgen.

"Die Besten gehen nach Amerika", bestätigte auch Jürgen Meyer. Die Zahl der Approbationen und der Ärzte im Praktikum sei seit 1994 um ein Viertel gesunken. Zudem brechen nach Angaben Meyers derzeit rund 2400 der jährlich 12.000 Medizinstudenten ihr Studium ab. Ein großer Teil des Nachwuchses wandere in fachfremde Berufe oder ins Ausland ab, beschrieb er den "Brain Drain". Und wer erst einmal einige Jahre in den Vereinigten Staaten gearbeitet habe, bleibe häufig für immer dort.

Die Krankenhäusern melden bereits reichlich offene Stellen, mit steigender Tendenz. Auf rund 2000 Ärzte bezifferte Meyer die momentane Lücke. Abwanderungstendenzen hoch qualifizierter Akademiker seien aber nicht nur bei Medizinern, sondern auch bei Chemikern, Physikern und Ingenieuren zu beobachten.


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