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09. Januar 2004, 12:28 Uhr

Akademikerinnen

Frau Dr. auf dem Vormarsch

Europaweit erobern Frauen die Universitäten und haben vielfach die Männer bereits überflügelt. Deutsche Akademikerinnen streben allerdings deutlich seltener einen Doktortitel an als in den meisten anderen EU-Ländern.

Frauen an der Uni: Zähne zeigen
Shell

Frauen an der Uni: Zähne zeigen

Die Bildungsbeteiligung der Frauen ist in den EU-Mitgliedsstaaten im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte deutlich gestiegen. In der Altersgruppe der 18- bis 21-Jährigen beginnen in einigen Ländern mittlerweile mehr junge Frauen als Männer mit einem Studium und schlagen sie auch bei den Hochschulabschlüssen. So liegt in Skandinavien der Anteil der Absolventinnen an allen Abgängern bei rund 60 Prozent, wie das Institut der deutschen Wirtschaft mitteilte.

Viele Akademikerinnen begnügen sich allerdings nicht mit Bachelor und Master, Diplom und Magister, sondern wollen höhere wissenschaftliche Weihen. Nach Angaben des Instituts wurden in der Europäischen Union 2001 knapp 30.000 Frauen promoviert, davon ein Drittel in Deutschland.

In der akademischen Beletage wird die Luft dünn

Besonders in Italien und Portugal trumpfen junge Wissenschaftlerinnen auf - dort sind über die Hälfte der Promovierten Frauen. Auch in Finnland, Irland, Spanien oder Frankreich liegt der Frauenanteil über 40 Prozent. Deutschland dagegen rangiert im EU-Vergleich am unteren Ende der Liste und liegt mit 35 Prozent vor den Schlusslichtern Belgien und den Niederlanden.

Akademikerinenn im EU-Vergleich
Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Akademikerinenn im EU-Vergleich

Auch in Deutschland hatten Studienanfängerinnen zum Wintersemester 2002/2003 die 50-Prozent-Hürde geknackt: Erstmals schrieben sich mehr Frauen als Männer an den Hochschulen ein. Doch wenn das Studium in eine akademische Karriere münden soll, nimmt der Frauenanteil stetig ab - vom Studienbeginn über den Hochschulabschluss und die Promotionen und Habilitationen bis zu den Lehrstühlen.

Bei den Doktoren sind die Frauen an deutschen Hochschulen noch zu einem Drittel dabei, bei den Habilitationen sinkt ihr Anteil bereits auf 17 Prozent. Und die Lehrstühle teilen männliche Wissenschaftler weitgehend unter sich auf: Die weibliche Konkurrenz kommt selten zum Zuge, lediglich etwa jede zehnte Professur ist mit einer Frau besetzt. Besonders dünn wird die Luft in der akademischen Beletage - bei den am besten dotierten C4-Professuren.




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